news/APA/Dienstag, 30.06.20, 16:17:05

For­scher orten Hin­wei­se auf 2. Coro­na-Wel­le nahe Öster­reich

Vor einem Über­schwap­pen von Ent­wick­lun­gen auf Öster­reich, die auf eine zwei­te Wel­le an Covid-19-Infek­tio­nen hin­deu­ten, warnt der Kom­ple­xi­täts­for­scher Ste­fan Thur­ner. Auch hier­zu­lan­de gebe es ers­te Anzei­chen für regio­na­le Ver­schie­bun­gen in die­se Rich­tung – etwa im Raum Linz und Wien. Die Ent­wick­lung posi­tiv getes­te­ter Coro­na-Fäl­le im Län­der­ver­gleich stellt eine neue „Coro­na-Ampel” der For­scher dar.
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Im von Wis­sen­schaf­tern um den Lei­ter des Com­ple­xi­ty Sci­ence Hub (CSH) Vien­na ent­wi­ckel­ten Ampel­sys­tem sind die­ser Tage wie­der meh­re­re Bezir­ke von „grün” auf „gelb” umge­sprun­gen. Das heißt, dass sich dort die Anzahl posi­tiv getes­te­ter Fäl­le pro 10.000 Ein­woh­ner im Ver­gleich der ver­gan­ge­nen 14 Tage merk­lich auf über eins erhöht hat. Das betrifft vor allem Linz, Wels und das Umland die­ser Städ­te sowie St. Pöl­ten und den NÖ-Bezirk Neun­kir­chen. Wien bleibt nach wie vor „gelb”.

Nach die­sem Sys­tem haben nun die Visua­li­sie­rungs­for­scher Johan­nes Sor­ger und Wolf­gang Knecht auf Basis der täg­lich von der Johns Hop­kins-Uni­ver­si­tät in Bal­ti­more (USA) pro Land zusam­men­ge­tra­ge­nen, welt­wei­ten Covid-19-Fäl­le eine ähn­li­che Ampel kon­stru­iert, die nun auf der Web­site des CSH online gegan­gen ist. Sehe man sich die täg­li­chen Fall­mel­dun­gen im Zeit­ver­lauf an, zei­ge sich in eini­gen Län­dern bereits ein „zwei­ter Hügel”, erklär­te Thur­ner im Gespräch mit der APA – „die zwei­te Wel­le ist da”.

Von­ein­an­der abge­grenz­te zwei­te Wel­len sieht man dem­entspre­chend in eini­gen Län­dern beson­ders gut, die die Epi­de­mie zunächst auch gut unter Kon­trol­le gebracht haben. Das pas­siert aktu­ell etwa in Isra­el, wo die täg­li­chen neu­en Fäl­le schon ein­mal fast bei null lagen. In Kroa­ti­en zeich­net sich – bei ins­ge­samt immer noch weni­gen Fäl­len – momen­tan ein „mas­si­ver zwei­ter Hügel” ab. Nahe­zu am gesam­ten Bal­kan sehe man ein ähn­li­ches Bild, erklär­te Thur­ner.

Etwas anders ist die Situa­ti­on in den USA oder in Schwe­den, wo bekannt­lich ein deut­lich weni­ger rigi­der Ein­däm­mungs­kurs gefah­ren wur­de. Thur­ner: „Dort fährt die zwei­te Wel­le sozu­sa­gen in die ers­te Wel­le hin­ein oder drü­ber.” Das liegt dar­an, dass es dort immer rela­tiv vie­le Fäl­le gab und die Zah­len in den ver­gan­ge­nen Wochen auch nicht so stark zurück­ge­gan­gen sind. Die­se Staa­ten erschei­nen im Ampel­sys­tem nun auch rot (mehr als zehn Fäl­le pro 10.000 Ein­woh­ner).

„Es gibt aber auch jede Men­ge Län­der, wo es sich gera­de so abzeich­net, dass eine zwei­te Wel­le vor der Tür steht bzw. wo es gera­de anfängt”, so der Kom­ple­xi­täts­for­scher, der hier auch Nach­bar­län­der Öster­reichs wie Tsche­chi­en, Slo­we­ni­en, die Slo­wa­kei oder ein Stück weni­ger deut­lich die Schweiz bzw. ande­re Eindämmungs-„Musterländer” wie Island oder Neu­see­land ein­schließt. In Euro­pa „wird sich in den nächs­ten Tagen rela­tiv sicher eini­ges in Rich­tung gelb (zwi­schen einem und zehn Fäl­le pro 10.000 Ein­woh­ner, Anm.) ändern”, pro­gnos­ti­zier­te der Wis­sen­schaf­ter.

In Öster­reich habe man die Ein­däm­mung zeit­lich ein­fach „rela­tiv gut erwischt”, sag­te Thur­ner. Dadurch ist man hier­zu­lan­de aber auch ange­sichts der begin­nen­den Urlaubs­sai­son nicht vor einem erneu­ten Auf­kom­men der Erkrank­ten-Zah­len gefeit.

Unter­des­sen hat die Danu­be Pri­va­te Uni­ver­si­ty (DPU) Krems eine Anti­kör­per-Stu­die bei der Bevöl­ke­rung in Wei­ßen­kir­chen in der Wach­au durch­ge­führt. Die­se ergab, dass mehr als zwölf Pro­zent der Teil­neh­mer Anti­kör­per gegen SARS-CoV‑2 ent­wi­ckelt. Das heißt, dass jeder ach­te Bewoh­ner mit dem Coro­na­vi­rus in Kon­takt gekom­men ist. An der Stu­die, die vom Roten Kreuz unter­stützt wor­den war, hat­ten 60 Pro­zent der Per­so­nen mit Haupt­wohn­sitz in der Markt­ge­mein­de teil­ge­nom­men.

„Die meis­ten Infi­zier­ten bemerk­ten gar nicht, dass sie infi­ziert waren”, erklär­te Stu­di­en­lei­ter Ralf Braun. „Die Aus­wer­tun­gen der Daten lie­gen zwar noch nicht voll­stän­dig vor, wir den­ken aber, dass wir dies­be­züg­lich auf ver­gleich­ba­re Wer­te wie im Rah­men der Ischgl-Stu­die kom­men wer­den”, fuhr er fort. Die wei­te­ren Stu­di­en­ergeb­nis­se wer­den bis vor­aus­sicht­lich Ende Juli erwar­tet.