apa.at
news/APA/Montag, 22.02.21, 14:02:35

Flug­pau­se für Boe­ing 777 nach Triebwerksproblemen

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de ist es bei zwei ver­schie­de­nen Boe­ing-Model­len zu Schä­den mit her­un­ter­fal­len­den Trieb­werks­tei­len gekom­men. Eine Boe­ing 777 der US-Flug­ge­sell­schaft United Air­lines mit 241 Men­schen an Bord muss­te des­halb unge­plant in Den­ver lan­den. Bei dem Auf­schlag gro­ßer Trüm­mer­tei­le, unter ande­rem direkt neben einem Haus, wur­de nie­mand verletzt.
APA/APA/AFP/OLIVIER DOULIE­RY

Eben­falls am Sams­tag ver­lor eine Boe­ing 747–400 bei einem Car­go-Flug des Char­ter­flie­gers Long­tail Avia­ti­on kurz nach dem Start in Maas­tricht Metall­tei­le. Dabei wur­de nach Medi­en­be­rich­ten eine Frau leicht ver­letzt und Autos beschä­digt. Die Maschi­ne brach den Flug nach New York ab und lan­de­te in Lüt­tich. In bei­den Flug­zeug­ty­pen ist das Trieb­werk PW4000 von Pratt & Whit­ney verbaut.

Die nie­der­län­di­sche Flug­auf­sicht erklär­te am Mon­tag, die Unter­su­chung des Vor­falls habe erst begon­nen. Die Euro­päi­sche Flug­auf­sichts­be­hör­de EASA teil­te mit, zu bei­den Fäl­len Infor­ma­tio­nen zu den Ursa­chen anzu­for­dern, um über wei­te­re Schrit­te zu entscheiden.

Boe­ing äußer­te sich zu dem Vor­fall in den Nie­der­lan­den zunächst nicht. Mit Blick auf die 777 rief der Flug­zeug­bau­er die Air­lines auf, das Modell mit den betrof­fe­nen Trieb­wer­ken vor­erst aus dem Ver­kehr zu zie­hen. United Air­lines kün­dig­te an, ihre 24 betrof­fe­nen akti­ven Maschi­nen still­zu­le­gen, bis die Unter­su­chung abge­schlos­sen sei. United ist die ein­zi­ge ame­ri­ka­ni­sche Flug­ge­sell­schaft, die den Flug­zeug­typ ein­setzt. Ande­re Betrei­ber sind der US-Flug­auf­sichts­be­hör­de FAA zufol­ge in Japan und Süd­ko­rea. Boe­ing teil­te mit, es sei­en 69 sol­cher Maschi­nen im Ein­satz. Wei­te­re 59 ste­hen auf­grund der Coro­na­kri­se ohne­hin am Boden. Für den US-Flug­zeug­bau­er sind die Pro­ble­me ein Rück­schlag, nach­dem das frü­he­re Pro­blem­mo­dell 737 MAX bald wie­der flie­gen darf. Nach einer Absturz­se­rie muss­ten die Maschi­nen mehr als ein Jahr am Boden bleiben.

Die US-Flug­auf­sichts­be­hör­de FAA kün­dig­te umge­hend eine Über­prü­fung der Flug­taug­lich­keit aller Boe­ing 777 mit den Trieb­wer­ken PW4000 an. Eine ers­te Über­prü­fung des Trieb­werks­aus­falls zei­ge, „dass die Inspek­ti­ons­in­ter­val­le für die hoh­len Lüf­ter­flü­gel erhöht wer­den soll­ten, die ein­zig­ar­tig für die­ses Trieb­werks­mo­dell sind und nur beim Typ 777 ver­baut wer­den”, erklär­te FAA-Chef Ste­ve Dick­son. Zwei Lüf­ter­flü­gel sei­en gebro­chen und Ver­klei­dungs­tei­le hät­ten sich gelöst. Die betrof­fe­nen Jets 777–200 und 777–300 sind älte­re Model­le, die bei vie­len Air­lines schon aus­ge­mus­tert sind. Das japa­ni­sche Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um wies die Gesell­schaf­ten Japan Air­lines (JAL) und die Luft­han­sa-Part­ner-Air­line ANA an, ihre 13 bezie­hungs­wei­se 19 Flug­zeu­ge außer Betrieb zu neh­men. Anfang Dezem­ber muss­te nach Anga­ben des Minis­te­ri­ums eine 777 von JAL wegen Pro­ble­men des lin­ken Trieb­werks umkeh­ren. Auch in die­sem Fall waren Lüf­ter­flü­gel zerbrochen.

Die Auf­sicht in Süd­ko­rea war­te­te noch auf eine Emp­feh­lung der FAA. Doch Kore­an Air Lines erklär­te, ihre sechs der­zeit ein­ge­setz­ten Flie­ger blie­ben am Boden, zehn wei­te­re sind bereits vor­über­ge­hend still­ge­legt. Asia­na Air­lines hat neun Maschi­nen und erklär­te, mit Boe­ing und den Behör­den noch über Kon­se­quen­zen zu bera­ten. Von bis­her mehr als 1.600 gebau­ten Boe­ing 777 sind weni­ger als zehn Pro­zent mit dem betrof­fe­nen Trieb­werks­typ aus­ge­stat­tet. Auch die Luft­han­sa-Grup­pe, zu der öster­rei­chi­sche AUA gehört, hat 777-Maschi­nen. Wie „Aero­te­le­graph” berich­te­te, ist aber kei­nes davon mit dem betrof­fe­nen PW-Trieb­wer­ken ausgerüstet.