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news/APA/Donnerstag, 25.11.21, 13:53:36

Exper­tin rech­net mit teil­wei­ser Lockdown-Verlängerung

Die Inns­bru­cker Viro­lo­gin Doro­thee von Laer geht von einer Ver­län­ge­rung des Lock­downs in eini­gen Bun­des­län­dern aus. „Man wird den Lock­down in eini­gen Bun­des­län­dern ver­län­gern müs­sen. Ich gehe davon aus, dass der Osten öff­nen kann, der Wes­ten nicht”, sag­te sie am Don­ners­tag zum „pro­fil” (online). Aus dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um hieß es zur APA, aktu­ell sei­en die Aus­wir­kun­gen der Aus­gangs­be­schrän­kun­gen noch nicht aus­rei­chend beur­teil­bar, es fin­den daher lau­fend Bera­tun­gen statt.
APA/APA/HERBERT NEUBAUER/HERBERT NEUBAUER

Die Wir­kung des Lock­downs wer­de sich erst in einer Woche nie­der­schla­gen, sag­te von Laer gegen­über dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin „pro­fil”. „Ich hof­fe, dass wir Anfang nächs­ter Woche eine deut­li­che Reduk­ti­on der Infek­tio­nen sehen kön­nen”, sag­te sie. Das ange­peil­te Datum für das Wie­der­auf­sper­ren am 13. Dezem­ber in ganz Öster­reich zog sie aber in Zweifel.

Ober­ös­ter­reichs Lan­des­haupt­mann Tho­mas Stel­zer (ÖVP) hat ja bereist Ende ver­gan­ge­ner Woche ange­kün­digt, dass man in sei­nem Bun­des­land trotz des bun­des­wei­ten Lock­downs am ursprüng­li­chen Zeit­plan fest­hal­ten wol­le. Ober­ös­ter­reich ver­häng­te ja bereits vor der öster­reich­wei­ten Ent­schei­dung für einen Lock­down einen sol­chen im Bun­des­land bis zumin­dest 17. Dezem­ber. Nach die­sem Datum wer­de man ent­schei­den, ob man eine Ver­län­ge­rung brau­che oder nicht, sag­te Stel­zer. In Salz­burg, das gemein­sam mit Ober­ös­ter­reich bei der Lock­down-Ver­hän­gung vor­ge­prescht war, woll­te man sich zuletzt auf ein Vor­ge­hen nicht fest­le­gen. Man wer­de vor dem Ende des öster­reich­wei­ten Lock­downs die Lage neu­er­lich beur­tei­len, hieß es Ende der ver­gan­ge­nen Woche.

Zu den Schu­len sag­te Van Laer im „pro­fil”, sie kön­ne „als Bür­ge­rin, nicht als Viro­lo­gin, durch­aus ver­ste­hen, dass man den Kin­dern kei­ne wei­te­re Schul­schlie­ßung zumu­ten will”. Man müs­sen nun abwar­ten. „Die Mas­ken­pflicht an den Schu­len wur­de gera­de ein­ge­führt, und eini­ge Kin­der blei­ben doch zuhau­se. Aber wenn die Zah­len nicht fal­len, wer­den auch die Schu­len schlie­ßen müssen.”

Die in die­ser Wel­le Erst­ge­impf­ten wer­den ihrer Erwar­tung nach kei­ne Aus­wir­kun­gen auf das aktu­el­le Infek­ti­ons­ge­sche­hen haben. „Aber sie kön­nen ver­hin­dern, dass wir im Febru­ar in die nächs­te Wel­le stol­pern.” Denn soll­ten die Erst­imp­fun­gen wei­ter so schlep­pend ver­lau­fen wie bis­her, dann rech­ne sie „auf jeden Fall” mit einer fünf­ten Wel­le. „Wenn der Lock­down aus­läuft, stei­gen die Zah­len wie­der an. Noch sind wir nicht bei einer Immu­ni­täts­quo­te von 85 Pro­zent, die aus­reicht, um das Virus in Schach zu hal­ten.” Von Laer rät, jenen 15 Pro­zent der über 60-Jäh­ri­gen, die noch unge­impft sind, umge­hend eine direk­te Ein­la­dung zu einem Impf­ter­min zu schi­cken. „Die­se Lücke muss schleu­nigst geschlos­sen werden.”

Eine län­ge­re Immu­ni­tät nach dem drit­ten Stich hält sie für „unwahr­schein­lich”. „Ich gehe davon aus, dass wir schon nächs­ten Herbst eine Kom­bi-Imp­fung haben wer­den gegen die Grip­pe und Coro­na. Das wird eine jähr­li­che Imp­fung wer­den.” Man wer­de im Herbst wie­der eine „brei­te Impf­kam­pa­gne” star­ten müs­sen. „Dann kön­nen wir schon im kom­men­den Win­ter eine Covid-Sai­son haben, kei­ne Welle.”

An eine Aus­rot­tung des Virus wie bei den Pocken glaubt sie nicht: „Nicht mit den aktu­el­len Impf­stof­fen. Sie schüt­zen nicht so gut vor der Wei­ter­ga­be, um ein Virus zu eli­mi­nie­ren.” Zuver­sicht­lich für das Früh­jahr 2022 stimmt sie aber die ab Febru­ar geplan­te Impf­pflicht in Öster­reich und neue Medi­ka­men­te gegen Covid, die wahr­schein­lich mit Ende des Jah­res zuge­las­sen werden.

Tags zuvor hielt Gesund­heits­mi­nis­ter Wolf­gang Mück­stein (Grü­ne) noch an dem in der Koali­ti­on akkor­dier­ten Fahr­plan fest. Die­ser sieht ein Ende des Lock­downs für die Geimpf­ten ab 13. Dezem­ber vor. Gleich­zei­tig stell­te er nach der Minis­ter­rats­sit­zung klar, dass der Lock­down für die Unge­impf­ten – wie geplant – jeden­falls auch danach auf­recht bleibt.

Zu all­fäl­li­gen Sze­na­ri­en nach dem 12. Dezem­ber gab es aus dem Gesund­heits­res­sort am Don­ners­tag vor­erst kei­ne Infor­ma­tio­nen. Auf APA-Anfra­ge ver­wies man in Mück­steins Büro dar­auf, dass sich die Bun­des­re­gie­rung bis Anfang nächs­ter Woche über die Lage mit Exper­ten bera­te. In der Tages­zei­tung „Öster­reich” wur­de unter­des­sen über eine Öff­nung in drei Stu­fen spe­ku­liert, wobei in einem ers­ten Schritt nur der Han­del wie­der öff­nen könn­te – gefolgt vom Tou­ris­mus rund um Weih­nach­ten, wohl nur für Immu­ni­sier­te. Die Nacht­gas­tro­no­mie und Groß­ver­an­stal­tun­gen wür­den dem­nach wohl noch bis zur ange­kün­dig­ten Impf­pflicht im 1. Febru­ar 2022 geschlos­sen halten.