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news/APA/Samstag, 20.11.21, 14:53:49

Ers­te Fest­nah­men bei Coro­na-Groß­de­mons­tra­ti­on in Wien

Bei der Groß­de­mons­tra­ti­on gegen die Coro­na-Maß­nah­men der Regie­rung und den kom­men­den Lock­down hat es am Sams­tag­nach­mit­tag ers­te Fest­nah­men gege­ben. Die Poli­zei berich­te­te von teils auf­ge­heiz­ter Stim­mung. Aggres­si­ve Teil­neh­mer zün­de­ten am Ring pyro­tech­ni­sche Gegen­stän­de und bewar­fen Beam­te mit Bier­do­sen und Plas­tik­fla­schen. Die Fest­nah­men erfolg­ten laut einem Poli­zei­spre­cher sowohl wegen Ver­wal­tungs­de­lik­ten als auch straf­recht­lich wegen Wider­stands gegen die Staatsgewalt.
APA/APA/FLORIAN WIESER/FLORIAN WIESER

Außer­dem gab es Anzei­gen wegen Ver­stö­ßen gegen die Covid-Maß­nah­men-Ver­ord­nung sowie nach dem Ver­bots­ge­setz. Der freie Jour­na­list Micha­el Bon­va­lot berich­te­te auf Twit­ter von Angrif­fen mit Pfef­fer­spray und Wurf­ge­scho­ßen durch extre­me Recht, er war schon im Vor­feld in sozia­len Medi­en mit kör­per­li­cher Gewalt bedroht worden.

Meh­re­re zehn­tau­sen­de Men­schen hat­ten die Innen­stadt lahm­ge­legt. Die FPÖ sprach gar von 100.000 Teil­neh­mern. Bereits vor 12.00 Uhr zogen die Demons­tran­ten durch die Stadt und sam­mel­ten sich gegen Mit­tag ins­be­son­de­re am Hel­den­platz. Die Exe­ku­ti­ve war mit mehr als 1.300 Beam­ten im Ein­satz, dazu kamen auch Polizeidiensthunde.

Für Auf­re­gung sorg­ten auch Teil­neh­mer, die unter Applaus mit einem Ban­ner, der sie als Poli­zis­ten aus­wies, durch das Burg­tor auf den Hel­den­platz ein­zo­gen. Dabei dürf­te es sich nach Infor­ma­tio­nen der APA um deut­sche Staats­bür­ger han­deln. Die hei­mi­sche Poli­zei kün­dig­te an, die­sen Fall zu prüfen.

Der Ring wur­de gegen 12.00 Uhr ab der Opern­gas­se gesperrt. Lau­fend ström­ten wei­te­re Maß­nah­men-Geg­ner und Covid-Leug­ner in die City, hun­der­te waren auch mit dem Zug aus den Bun­des­län­dern ange­reist und über die Maria­hil­fer­stra­ße mar­schiert. Teil­wei­se ver­lie­fen die Kund­ge­bun­gen chao­tisch. Am Nach­mit­tag mar­schier­te ein Demo­zug den Ring ent­lang. Bei einer Kund­ge­bung im Muse­ums­quar­tier wur­de FPÖ-Chef Her­bert Kickl zuge­schal­tet. Er wur­de posi­tiv auf das Coro­na­vi­rus getes­tet und befin­det sich in Quarantäne.

Die Exe­ku­ti­ve riet bereits im Vor­feld, die Wie­ner Innen­stadt zu mei­den. Sowohl aus den Bun­des­län­dern als auch aus dem benach­bar­ten Aus­land waren Akti­vis­ten auch mit Bus­sen ange­reist, die­se wur­den stich­pro­ben­ar­tig an der Stadt­gren­ze und in den Bun­des­län­dern kontrolliert.

Bei Demons­tra­tio­nen mit mehr als 50 Teil­neh­mern müs­sen alle eine FFP2-Mas­ke tra­gen, sofern nicht alle Teil­neh­mer einen 2G-Nach­weis haben, was bei den Demons­tran­ten unwahr­schein­lich ist. Mit­tels Laut­spre­cher­durch­sa­ge wies die Exe­ku­ti­ve auf die Mas­ken­pflicht hin, die Poli­zei kün­dig­te auch an, dass die Ein­hal­tung kon­trol­liert und Ver­stö­ße mit Anzei­gen geahn­det wer­den. Demons­tran­ten mit Mas­ken waren aller­dings die Aus­nah­me, Öster­reich-Fah­nen hin­ge­gen waren zahl­rei­che zu sehen.

Im Vor­feld hat­ten zahl­rei­che Quer­den­ker und Covid-Leug­ner ins­be­son­de­re auf Tele­gram mobi­li­siert. Auch die Teil­nah­me von Rechts­ex­tre­men (wie bei den Demos im Jän­ner bis März 2021) ist nach Ansicht des Innen­mi­nis­te­ri­ums wahr­schein­lich. Auf­ru­fe gab es auch bei den Iden­ti­tä­ren und in der Hoo­li­gan-Sze­ne. Außer­dem gab es Gerüch­te über mög­li­che Angrif­fe auf Spi­tä­ler, Medi­en­häu­ser, Minis­te­ri­en und das Par­la­ment. Die­se Ein­rich­tun­gen der kri­ti­schen Infra­struk­tur wer­den beson­ders geschützt, beton­te die Poli­zei. Auch bei den Impf­stra­ßen der Bun­des­haupt­stadt wur­den die Sicher­heits­mit­ar­bei­ter auf­ge­stockt und die Poli­zei­prä­senz erhöht.

Auch bei den Öffis kam es am Sams­tag zu Unter­bre­chun­gen und Ver­zö­ge­run­gen. Auch „Alles Gur­gelt” wies in den inne­ren Bezir­ken bei Abga­be­stel­len via Aus­hang dar­auf hin, dass es auf­grund der Demons­tra­tio­nen zu Ver­zö­ge­run­gen bei der Abho­lung von PCR-Tests bzw. der Aus­wer­tung kom­men kann.

Auf Grund der der­zei­ti­gen epi­de­mio­lo­gi­schen Lage ersuch­te die Poli­zei im Hin­blick auf die eige­ne Gesund­heit und die Gesund­heit ande­rer, nicht bei Ver­samm­lun­gen teil­zu­neh­men. Ein klei­ner Teil der Kund­ge­bun­gen am Sams­tag war im Vor­feld von der Poli­zei unter­sagt worden.

In den Bun­des­län­dern sind am Sams­tag kei­ne grö­ße­ren Kund­ge­bun­gen zu erwar­ten. Rund 800 Per­so­nen haben bereits am Frei­tag in Inns­bruck gegen den anste­hen­den Coro­na-Lock­down und die ange­kün­dig­te Impf­pflicht demons­triert. Die Teil­neh­mer an der nicht ange­mel­de­ten Kund­ge­bung zogen nach Anga­ben der Poli­zei gegen­über der APA durch die Innen­stadt. Zwi­schen­fäl­le gab es keine.