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news/APA/Donnerstag, 24.11.22, 14:36:52

Drei ukrai­ni­sche AKW wie­der ans Strom­netz angeschlossen

Drei nach russischen Angriffen vom Stromnetz getrennte ukrainische Atomkraftwerke sind wieder ans Netz gegangen. Es sei gelungen, die drei von der Ukraine kontrollierten Anlagen in der Früh wieder anzuschließen, teilte das ukrainische Energieministerium am Donnerstag mit. Die AKWs dürften demnach ab dem Abend wieder Strom liefern. In Kiew wurde die Strom- und Wasserversorgung teilweise wieder hergestellt. Unterdessen ist am Donnerstag ein Gefangenenaustausch geplant.
APA/AFP/GENYA SAVILOV

Die Ukraine und Russland planen nach Angaben von Separatisten den Austausch von jeweils 50 Kriegsgefangenen, teilte der von Russland installierte Verwalter der annektierten ostukrainischen Region Donezk, Denis Puschilin, im Onlinedienst Telegram mit.

Am Mittwoch hatte der staatliche Betreiber Energoatom auf Telegram erklärt, dass das Notfallsystem der drei Akws Riwne, Piwdennoukrainsk und Chmelnyzka infolge des russischen Beschusses aktiviert worden sei. Daraufhin seien alle Reaktoren automatisch vom Stromnetz abgetrennt worden.

Nach den schweren russischen Raketenangriffen konnte die Strom- und Wasserversorgung in Kiew in der Früh zumindest teilweise wieder hergestellt werden. "70 Prozent der Hauptstadt sind bisher ohne Elektrizität", teilte Bürgermeister Witali Klitschko am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal mit. Immerhin sei es gelungen, die Wasserversorgung wieder herzustellen. "Doch braucht es eine gewisse Zeit, bis das Wasserleitungssystem wieder mit voller Leistung arbeitet", warnte Klitschko.

Die kommunalen Dienste arbeiteten mit Hochdruck an der Behebung der Schäden, doch die Stromversorgung Kiews hänge auch von der Stabilität des gesamten Energiesystems in der Ukraine ab. Das russische Militär hatte am Mittwoch nach Angaben Kiews etwa 70 Raketen und Drohnen auf die Ukraine abgeschossen. Ziele waren wie bei den vorangegangenen Angriffen vornehmlich Objekte des Energiesektors.

Dem ukrainischen Energieversorger Energoatom zufolge wurde außerdem das von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja wieder an die externe Stromversorgung angeschlossen. Die Dieselgeneratoren seien abgestellt worden, wurde am Donnerstag mitgeteilt.

Die russische Atombehörde Rosatom sprach sich für die Einrichtung einer Schutzzone um Saporischschja aus - allerdings zu Moskauer Bedingungen. Behördenchef Alexej Lichatschow gab am Donnerstag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge auch an, wie er sich die Schutzzone vorstelle: Demnach dürfe die Ukraine das Gelände weder beschießen noch versuchen, es zurückzuerobern. "Im Gegenzug, das ist klar, stationiert Russland dort keine Angriffswaffen und -kräfte, sondern nutzt nur Mittel zum physischen Schutz und der Bewachung der Anlage", sagte Lichatschow. Zugleich teilte der Rosatom-Direktor mit, alle elektrischen Leitungen um die Nuklearanlage herum seien beschädigt. Das Herunterfahren des Reaktors in den Kaltzustand biete nur "relative Sicherheit", warnte er.

Die russischen Vorstellungen einer Schutzzone unterscheiden sich deutlich von den Forderungen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Diese hatte Moskau vor einer Woche zur Aufgabe des besetzten ukrainischen Atomkraftwerks aufgefordert.

Im von russischen Truppen befreiten Teil des südukrainischen Gebietes Cherson entdeckten die ukrainischen Behörden nach eigenen Angaben Folterkammern und getötete Zivilisten. "Es wurden die Leichen von 432 Zivilisten gefunden, die ermordet wurden", teilte Generalstaatsanwalt Andrij Kostin am Donnerstag im Fernsehen mit. Dazu seien neun als Folterkammern bezeichnete Räume entdeckt worden. Insgesamt seien zwölf Ermittlerteams in dem stark verminten Gebiet aktiv.

Russland dagegen betonte am Donnerstag erneut, nur militärische Ziele ins Visier zu nehmen. Dies sagte der Sprecher des Präsidialamtes in Moskau, Dmitri Peskow, vor Journalisten auf die Frage, ob die russische Führung besorgt sei wegen der Auswirkungen ihrer Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung. Die ukrainische Regierung könne das Leid der Bevölkerung beenden, indem sie den Forderungen Russlands nach einer Lösung des Konfliktes nachkomme, so Peskow.