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news/APA/Samstag, 17.10.20, 17:19:04

Drei Kin­der in Wien offen­bar von ihrer Mut­ter getö­tet

Eine 31-jäh­ri­ge Frau soll in Wien-Donau­stadt ihre drei klei­nen Kin­der getö­tet haben. Nach einem Sui­zid­ver­such, der laut Poli­zei leich­te Ver­let­zun­gen ver­ur­sach­te, mel­de­te sich die Frau über den Not­ruf, wo sie das Tötungs­de­likt gestan­den habe. Der acht Mona­te alte Bub sowie die drei und neun Jah­re alten Mäd­chen star­ben laut vor­läu­fi­gen Anga­ben der Gerichts­me­di­zin durch Ersti­cken. Um das Leben der Ältes­ten kämpf­ten Ärz­te noch rund eine Stun­de.
APA/HERBERT NEU­BAU­ER

Die Mut­ter hat­te den Not­ruf gegen 5.20 Uhr abge­setzt. Poli­zis­ten ras­ten zu dem ein­stö­cki­gen Mehr­par­tei­en­wohn­haus in der Nähe des Kagra­ner Plat­zes. Weil die aus Nepal stam­men­de Frau bei ihrem Anruf ange­kün­digt hat­te, sich auch selbst töten zu wol­len, sei sie zunächst von den ers­ten Ein­satz­kräf­ten fixiert wor­den. Bei der Durch­su­chung der Woh­nung fan­den die Poli­zis­ten den Buben und die Drei­jäh­ri­ge mit „ein­deu­ti­gen Todes­zei­chen” vor, sag­te Poli­zei­spre­cher Paul Eiden­ber­ger. Im Fall der Neun­jäh­ri­gen, die noch in ein Spi­tal gebracht wur­de, bestand offen­bar Hoff­nung, sie wie­der­zu­be­le­ben. Rund eine Stun­de bemüh­ten sich die Hel­fer, das Kind zu reani­mie­ren, letzt­lich ver­geb­lich. Die jün­ge­ren Kin­der waren in einem Zim­mer der Woh­nung ent­deckt wor­den, die älte­re Schwes­ter in einem Neben­raum. Die Obduk­tio­nen dürf­ten am Sams­tag­abend statt­fin­den.

Die Frau selbst wies laut Eiden­ber­ger Ver­let­zun­gen im Hand­be­reich auf, die nicht so schwer­wie­gend waren, dass sie ins Spi­tal gebracht hät­te wer­den müs­sen. Es habe sich um ober­fläch­li­che Schnit­te durch ein Mes­ser gehan­delt. Ein Amts­arzt beur­teil­te die 31-Jäh­ri­ge mitt­ler­wei­le als ein­ver­nah­me- und haft­fä­hig. Die Hin­ter­grün­de der Tat könn­ten „in Ehe­pro­ble­men und Fami­li­en­pro­ble­men” zu suchen sein. Der Vater der Kin­der sei bereits ein­ver­nom­men, er sei zum Tat­zeit­punkt defi­ni­tiv nicht in der Woh­nung gewe­sen.

Aus dem Umfeld der Fami­lie ver­lau­te­te, dass sich die Frau unge­fähr seit der Geburt des jüngs­ten Kin­des in einer psy­chisch schwie­ri­gen Lage befun­den haben soll. Es sei zu Streit mit dem 44-Jäh­ri­gen gekom­men, eine Tren­nung oder Schei­dung stan­den offen­bar im Raum. Die 31-Jäh­ri­ge soll befürch­tet haben, in die­sem Fall die Kin­der zu ver­lie­ren. Der Mann hat­te zuletzt nicht mit sei­ner Frau und den Kin­dern zusam­men­ge­lebt, er war nach einem angeb­lich von bei­den Sei­ten hand­greif­li­chen Streit weg­ge­wie­sen wor­den. „Es wur­de ein Betre­tungs- und Annä­he­rungs­ver­bot ver­hängt, das mit Ende Sep­tem­ber vor­bei war und nicht zu einer einst­wei­li­gen Ver­fü­gung ver­län­gert wor­den ist”, was die 31-Jäh­ri­ge hät­te bean­tra­gen kön­nen, sag­te der Poli­zei­spre­cher.

Die Wie­ner Kin­der- und Jugend­hil­fe „kennt die Fami­lie anläss­lich der Infor­ma­ti­on über eine Weg­wei­sung durch die Poli­zei seit zwei Wochen”, gab deren Spre­che­rin Andrea Frie­mel auf APA-Anfra­ge bekannt. Bei Weg­wei­sun­gen wird stan­dard­mä­ßig eine soge­nann­te Gefähr­dungs­ab­klä­rung begon­nen. „Im Zuge die­ses Ver­fah­rens gab es mit den Eltern und den Kin­dern sowie mit der Schu­le und der Wie­ner Inter­ven­ti­ons­stel­le gegen Gewalt in der Fami­lie per­sön­li­che und tele­fo­ni­sche Kon­tak­te. Es zeig­ten sich bei den Eltern die in der Weg­wei­sung ange­führ­ten Bezie­hungs­pro­ble­me”, so die Spre­che­rin. Eine Gefähr­dung der Kin­der „war bei den Kon­tak­ten nicht abseh­bar”. Betref­fend des Bezie­hungs­kon­flikts der Eltern sei Bera­tungs­be­darf wahr­ge­nom­men wor­den, wor­auf Bera­tungs­ter­mi­ne mit Unter­stüt­zung durch eine Dol­met­sche­rin orga­ni­siert wor­den sei­en. „Eine der­ar­tig tra­gi­sche Hand­lung der Mut­ter macht betrof­fen und war nicht vor­her­seh­bar”, so Frie­mel.