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news/APA/Dienstag, 04.05.21, 22:22:18

Dop­pel­wech­sel in Tiro­ler Landesregierung

Rund um die Beset­zung des schwar­zen Teils der Tiro­ler Lan­des­re­gie­rung ist es Diens­tag­abend Schlag auf Schlag gegan­gen. Nach­dem zunächst Wirt­schafts­lan­des­rä­tin Patri­zia Zol­ler-Fri­schauf ihren Rück­tritt ange­kün­digt hat­te, folg­te wenig spä­ter auch ihr Kol­le­ge, Gesund­heits­lan­des­rat Bern­hard Tilg. Erneut wenig spä­ter ließ LH Gün­ther Plat­ter (ÖVP) bereits die Nach­fol­ger ver­lau­ten: Land­tags­vi­ze­prä­si­dent Anton Matt­le für Wirt­schaft und Annet­te Leja für Gesundheit.
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Letz­te­re war bis­her Geschäfts­füh­re­rin des pri­va­ten Sana­to­ri­ums Ket­ten­brü­cke in Inns­bruck. Die Rocha­den muss der ÖVP-Lan­des­par­tei­vor­stand Mitt­woch­vor­mit­tag noch abseg­nen, was aller­dings eine rei­ne Form­sa­che ist. Dann will Plat­ter sei­ne neu­en Regie­rungs­mit­glie­der in einer Pres­se­kon­fe­renz vor­stel­len. Plat­ter bedank­te sich bei sei­nen schei­den­den Regie­rungs­kol­le­gen – bei­de gehör­ten seit Beginn sei­ner Lan­des­haupt­mann-Ära im Jahr 2008 der schwar­zen Mann­schaft an.

Mit Matt­le setzt der Lan­des­chef auf einen erfah­re­nen, über die Par­tei­gren­zen hin­weg aner­kann­ten Poli­ti­ker. Matt­le wird für sei­ne ruhi­ge Art auch in der Vor­sitz­füh­rung auch als Land­tags­vi­ze­prä­si­dent geschätzt. Bun­des­wei­te Bekannt­heit hat­te der 58-Jäh­ri­ge im Jahr 1999 im Zuge der Lawi­nen­ka­ta­stro­phe in Gal­tür erlangt. Matt­le war damals wie heu­te Bür­ger­meis­ter der klei­nen Gemein­de im Paz­naun­tal. Leja gilt dage­gen als klas­si­sche Quer­ein­stei­ge­rin und unbe­schrie­be­nes Blatt auf der lan­des­po­li­ti­schen Bühne.

Am Abend ver­kün­de­te zuerst Zol­ler-Fri­schauf ihren Rück­tritt. Sie habe nach der Land­tags­wahl 2018 für sich beschlos­sen, dass sie „zur Halb­zeit der Legis­la­tur­pe­ri­ode in den Land­tag wech­seln” wer­de, sag­te sie. Dies sei bereits mit Plat­ter seit Beginn der Peri­ode so bespro­chen gewe­sen. Die Coro­na­kri­se habe dies aller­dings ein wenig ver­zö­gert. Nach­dem die Imp­fun­gen nun aber vor­an­schrei­ten wür­den, sei der rich­ti­ge Zeit­punkt für eine Über­ga­be gekom­men, teil­te die 62-jäh­ri­ge Obfrau des Tiro­ler Senio­ren­bun­des mit.

Ihren nun­meh­ri­gen Rück­zug kom­mu­ni­zier­te Zol­ler-Fri­schauf über eine pri­va­te E‑Mail-Adres­se. Im Land­haus sowie in ÖVP-Krei­sen war man APA-Infor­ma­tio­nen zufol­ge offen­sicht­lich über­rascht über die­sen Schritt. Die Inns­bru­cke­rin erziel­te in der media­len Öffent­lich­keit kei­ne grö­ße­re Brei­ten­wir­kung und blieb über die Jah­re eher unauf­fäl­lig. Auch der macht­po­li­ti­sche Fak­tor Zol­ler-Fri­sch­aufs hielt sich eher in Gren­zen. Jedoch galt die 62-Jäh­ri­ge als über­aus enga­giert und sach­ori­en­tiert. Zudem zähl­te sie zu den engen Ver­trau­ten von Lan­des­haupt­mann Plat­ter, der ent­ge­gen man­chen Rumo­rens – auch im Wirt­schafts­flü­gel der Par­tei – stets an ihr festhielt.

Nur zwei Stun­den spä­ter teil­te Tilg mit, dass auch er sich als Lan­des­rat zurück­zie­hen wol­le. Der 53-Jäh­ri­ge war im ver­gan­ge­nen Jahr im Zuge des Coro­na-Kri­sen­ma­nage­ments stark unter Beschuss gera­ten. Bekannt wur­de er durch einen Auf­tritt in der „ZiB2”, in dem er mehr­mals wie­der­hol­te, dass die Behör­den in Sachen Ischgl „alles rich­tig gemacht” hätten.

Tilg kün­dig­te in einer Aus­sendung an, nicht wei­ter in der Poli­tik blei­ben zu wol­len. Statt­des­sen kehrt er als Pro­fes­sor für Medi­zin­tech­nik und Medi­zin­in­for­ma­tik an die Pri­vat­uni­ver­si­tät UMIT zurück. In einer Aus­sendung mein­te Tilg, dass die Bewäl­ti­gung der Coro­na­kri­se eine „beson­de­re Her­aus­for­de­rung” gewe­sen sei. „Eine Zeit, die uns alles abver­langt hat – auch mir selbst”, sag­te er. Der Schutz der Bevöl­ke­rung sei „zu jedem Zeit­punkt an ers­ter Stel­le” gestan­den und er sei froh, dass die Tiro­ler Spi­tä­ler „vor einer Über­las­tung” geschützt wer­den konnten. 

Er sei jeden­falls „mit Leib und See­le Mit­glied der Tiro­ler Lan­des­re­gie­rung” gewe­sen, teil­te der Ober­län­der mit und bedank­te sich ins­be­son­de­re bei Lan­des­haupt­mann Plat­ter sowie unter ande­rem bei sei­nen Regie­rungs­kol­le­gIn­nen. Er wol­le in den „13 Jah­ren in der Spit­zen­po­li­tik, die inten­siv und for­dernd waren” aber kei­nes „mis­sen”, sag­te Tilg. 

Tilg – ehe­ma­li­ger UMIT-Rek­tor – war neben den Gesund­heits­agen­den auch für die Berei­che Pfle­ge, Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len zustän­dig. Vie­les sei „gelun­gen”, er bli­cke dabei auf „die Reform des Ret­tungs- und Not­arzt­we­sens, die Pal­lia­tiv- und Hos­piz­ver­sor­gung, die Pfle­ge­aus­bil­dung Neu, die Imple­men­tie­rung von Reha-Ein­rich­tun­gen, die Spi­tals­re­for­men, den Struk­tur­plan Pfle­ge, die Tech­no­lo­gie­of­fen­si­ve Tirol oder an die ein­ge­rich­te­te Tiro­ler For­schungs- und Wis­sen­schafts­för­de­rung” zurück.

Als ers­te Oppo­si­ti­ons­par­tei reagier­ten die Tiro­ler NEOS auf die Rocha­den. Deren Klub­chef Domi­nik Ober­ho­fer sah Plat­ter auf dem fal­schen Fuß erwischt: „Dem Tiro­ler Lan­des­haupt­mann ist heu­te Abend das pas­siert, was er eigent­lich nie woll­te: Eine Regie­rungs­um­bil­dung”. Ober­ho­fer sprach von über­ra­schen­den Rück­trit­ten, die zei­gen wür­den, dass auch vie­le in der Volks­par­tei „Bau­stel­len” im Land orten würden.