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news/APA/Samstag, 05.09.20, 13:46:41

Dia­go­na­le-Preis für Video-Game-Doku über Unge­hor­sam im Krieg

Mit fast einem hal­ben Jahr Ver­spä­tung ist der ers­te dies­jäh­ri­ge Preis der Dia­go­na­le 2020 an den bes­ten Kurz­do­ku­men­tar­film ver­lie­hen wor­den. Das Jung­fil­me­ma­cher-Trio Total Refu­sal, bestehend aus Robin Klen­gel, Leon­hard Müll­ner und Micha­el Stumpf nahm die Aus­zeich­nung in Form einer gol­de­nen Nuss am Frei­tag­abend in Graz ent­ge­gen.
APA/Total Refusal/Diagonale.at

Der 21-minü­ti­ge, aus­schließ­lich auf der inter­ak­ti­ven Video­spiel-Platt­form Battle­field V gedreh­te Film „How To Disap­pe­ar” hat­te bereits auf der dies­jäh­ri­gen Ber­li­na­le für Dis­kus­sio­nen gesorgt, bevor ihn die Dia­go­na­le-Jury, am Frei­tag ver­tre­ten durch den extra aus Bam­berg ange­reis­ten Man­fred Koch, zur bes­ten Kurz­do­ku aus­er­kor.

Der Film setzt sich anhand von teils von den Akteu­ren des Total-Refu­sal-Teams gesteu­er­ten, teils von den ande­ren Spie­lern unwis­send gestal­te­ten, real statt­ge­fun­de­nen Spiel­se­quen­zen mit dem The­ma Deser­teu­re und Unge­hor­sam als demo­kra­ti­sches Mit­tel aus­ein­an­der. Aus dem Off erzählt eine weib­li­che Stim­me auf Eng­lisch die Geschich­te der Deser­ti­on in den Krie­gen der Ver­gan­gen­heit bis heu­te.

Die Akteu­re im Film ver­deut­li­chen das Erzähl­te durch absur­de, im Spiel­ver­lauf nicht vor­ge­se­he­ne Hand­lun­gen wie etwa sinn­lo­se Exer­zier­be­we­gun­gen oder den ver­geb­li­chen Ver­such, zu deser­tie­ren oder „Sol­da­ten” der eige­nen Spiel­grup­pe hin­zu­rich­ten und füh­ren damit die Ein­di­men­sio­na­li­tät von „Shooter”-Spielen dem Zuschau­er dras­tisch vor Augen.

Am Ende des Films gelingt es den Akteu­ren schließ­lich doch, ihre „Ava­tare” durch einen digi­ta­len Taschen­spie­ler­trick ver­schwin­den zu las­sen. Wie das geht, ver­riet Leon­hard Müll­ner zwar in der auf das Scree­ning fol­gen­den Publi­kums­dis­kus­si­on, der Kniff sei aber im Sin­ne der Fil­me­ma­cher, die sich am Frei­tag als „pseu­domar­xis­ti­sches und pazi­fis­ti­sches Mul­ti­me­dia­kol­lek­tiv” defi­nier­ten, hier nicht ver­ra­ten.

Die Dia­go­na­le 2020, die sich, der Coro­na-Pan­de­mie geschul­det, den Bei­na­men „Die Unvoll­ende­te” gab und bis­her nur spo­ra­disch und online statt­fand, tritt mit der Preis­ver­lei­hung vom Frei­tag wie­der in die rea­le Welt. Kom­men­den Diens­tag geht es wei­ter mit dem nach­ge­hol­ten Eröff­nungs­film die­ses Jah­res, „Der schöns­te Platz auf Erden” und einem Fest­kon­zert im Gra­zer Musik­ver­eins­saal.