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news/APA/Freitag, 24.06.22, 03:36:39

Deutsch­land befürch­tet kom­plet­ten rus­si­schen Gas-Lieferstopp

Deutsch­lands Wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck hält es für mög­lich, dass Russ­land nach dem War­tungs­in­ter­vall der Gas­pipe­line Nord Stream 1 gar kein Gas mehr lie­fert. Auf die ent­spre­chen­de Fra­ge sag­te er im RTL Nacht­jour­nal am Don­ners­tag: „Ich müss­te lügen, wenn ich sagen wür­de, ich befürch­te es nicht.” Deutsch­lands Finanz­mi­nis­ter Chris­ti­an Lind­ner mein­te im ZDF, Gas soll­te wegen der aktu­el­len Knapp­hei­ten nicht mehr für die Strom­erzeu­gung ver­wen­det werden.
APA/dpa/Michael Kap­pe­ler

Es wer­de zum Hei­zen und für bestimm­te indus­tri­el­le Pro­zes­se benö­tigt, ergänz­te Lind­ner. Bei kom­plett gefüll­ten Gas­spei­chern wür­de Deutsch­land ganz ohne Lie­fe­run­gen aus Russ­land zwei­ein­halb Mona­te aus­kom­men, erklär­te der Chef der deut­schen Bun­des­netz­agen­tur, Klaus Mül­ler, gegen­über dem ZDF. Das gel­te für einen durch­schnitt­lich kal­ten Win­ter. Dar­aus fol­ge, Deutsch­land brau­che zusätz­li­che Lie­fe­ran­ten und müs­se auch Gas einsparen.

Habeck glaubt, dass das Argu­ment tech­ni­scher Pro­ble­me vom Kreml vor­ge­scho­ben sei, viel­mehr hand­le es sich um eine poli­ti­sche Maß­nah­me. „Und wer weiß schon, was die nächs­te poli­ti­sche Maß­nah­me ist. Also, sor­gen­frei bin ich da nicht.” Auf die Fra­ge, ob er sich vor­stel­len kön­ne, dass sich die Gas­rech­nun­gen ver­drei­fach­ten, sag­te Habeck: „Das ist nicht aus­zu­schlie­ßen (…) ja, das ist im Bereich des Mög­li­chen.” Es kom­me eine Preis­wel­le auf Deutsch­land zu, die fak­tisch nicht mehr abzu­wen­den sei.

Die redu­zier­ten Lie­fe­run­gen von rus­si­schem Gas könn­ten nach Ein­schät­zung von Habeck auch als Zei­chen für wirk­sa­me Sank­tio­nen gegen Russ­land inter­pre­tiert wer­den. „Es ist rich­tig, Putin bekommt Geld durch den Ver­kauf fos­si­ler Ener­gien, aber er kann sich davon immer weni­ger kau­fen, weil der Wes­ten so vie­le Güter sank­tio­niert hat”, erklär­te Habeck in RTL Direkt laut einer Mit­tei­lung des Sen­ders. „Und weil er sich mit die­sem Geld nichts mehr kau­fen kann, sagt er: Dann brau­che ich das Geld nicht mehr, und ich redu­zie­re das Gas. Das ist auch ein Zei­chen, dass die Sank­tio­nen höchst wirk­sam sind.”

Habeck befürch­tet ange­sichts der dro­hen­den Gast­not­la­ge einen Domi­no-Effekt hin zu einer schwe­ren Rezes­si­on. „Das Risi­ko, dass Ener­gie­ver­sor­ger mög­li­cher­wei­se in eine öko­no­mi­sche Lage kom­men, wo sie nicht mehr Geld am Markt auf­neh­men kön­nen, um Gas ein­zu­kau­fen” sei hoch, sag­te Habeck in den ARD-Tages­the­men laut Vor­ab­mel­dung. Es müs­se ver­hin­dert wer­den, „dass sie aus dem Markt rausfallen”.

Er befürch­te „eine Art Leh­man-Bro­thers Effekt im Ener­gie­markt”, der dann auch die Stadt­wer­ke, die Wirt­schafts- und Indus­trie­un­ter­neh­men und die Ver­brau­cher betref­fe. „Und dann hat man einen Domi­no­ef­fekt, der zu einer schwe­ren Rezes­si­on füh­ren wür­de.” Er wer­de dafür Sor­ge tra­gen, das zu ver­hin­dern, so Habeck.

Unter­des­sen plä­dier­te eine Mehr­heit der Deut­schen für einen län­ge­ren Betrieb der Atom­kraft­wer­ke. Für eine Ver­län­ge­rung der Lauf­zei­ten über Jah­res­en­de hin­aus spra­chen sich dem ARD-Deutsch­land­trend zufol­ge 61 Pro­zent der Befrag­ten aus, 32 Pro­zent sei­en dage­gen, hieß es.