news/APA/Dienstag, 30.06.20, 10:00:36

Chi­na erlässt umstrit­te­nes Sicher­heits­ge­setz für Hong­kong

Chi­na hat nach Hong­kon­ger Medi­en­be­rich­ten das umstrit­te­ne Gesetz zum Schutz der natio­na­len Sicher­heit in Hong­kong erlas­sen. Laut der Hong­kon­ger Zei­tung „South Chi­na Morning Post” und dem Sen­der Now TV ver­ab­schie­de­te der Stän­di­ge Aus­schuss des Volks­kon­gres­ses das Gesetz am Diens­tag. Es rich­tet sich vor allem gegen aus der Sicht Pekings sub­ver­si­ve, sepa­ra­tis­tisch oder ter­ro­ris­ti­sche Akti­vi­tä­ten.
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Auch soll es „heim­li­che Abspra­chen” von Akti­vis­ten mit Kräf­ten im Aus­land bestra­fen. Die demo­kra­ti­sche Oppo­si­ti­on in Hong­kong fürch­tet, zum Ziel des Geset­zes zu wer­den. Joshua Wong und ande­re Füh­rer der Demo­kra­tie­be­we­gung erklär­ten ange­sichts der Berich­te über den Geset­zes­er­lass den Rück­tritt aus ihrer Par­tei. Mit dem Sicher­heits­ge­setz vor der Tür sei es „kein Unsinn” für Anhän­ger der Demo­kra­tie­be­we­gung, sich um Leben und Sicher­heit zu sor­gen, teil­ten sie mit.

Das Votum in Peking sei ein­stim­mig durch die 162 Mit­glie­der des Stän­di­gen Aus­schus­ses erfolgt, berich­te­te die „South Chi­na Morning Post”. Eine offi­zi­el­le Bestä­ti­gung der Ver­ab­schie­dung lag in Peking zunächst nicht vor. Auch Hong­kongs Regie­rungs­chefin Car­rie Lam, die kurz nach den Berich­ten in der chi­ne­si­schen Son­der­ver­wal­tungs­re­gi­on vor die Pres­se trat, woll­te sich nicht zu dem Gesetz äußern.

Nach unbe­stä­tig­ten Medi­en­be­rich­ten soll das Gesetz als Höchst­stra­fe lebens­lan­ge Haft vor­se­hen. Ein­zel­hei­ten des Geset­zes, das nach der Ver­ab­schie­dung als Anhang in Hong­kongs Grund­ge­setz auf­ge­nom­men wird, sol­len erst am Nach­mit­tag in Peking ver­öf­fent­licht wer­den. Bis­her war der Text streng geheim gehal­ten wor­den.

Amnes­ty Inter­na­tio­nal kri­ti­sier­te das „Sicher­heits­ge­setz” scharf. „Die Ver­ab­schie­dung des natio­na­len Sicher­heits­ge­set­zes ist ein schmerz­haf­ter Moment für die Men­schen in Hong­kong und stellt die größ­te Bedro­hung für die Men­schen­rech­te in der jün­ge­ren Geschich­te der Stadt dar”, erklär­te Joshua Rosen­zweig, Lei­ter des Chi­na-Teams der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on. Auch in Hong­kong stößt das Gesetz auf schar­fe Kri­tik.

Es ist der bis­her wei­test­ge­hen­de Ein­griff in die Auto­no­mie der chi­ne­si­schen Son­der­ver­wal­tungs­re­gi­on. Kri­ti­ker befürch­ten ein Ende des Grund­sat­zes „ein Land, zwei Sys­te­me”, nach dem die frü­he­re bri­ti­sche Kron­ko­lo­nie seit der Rück­ga­be 1997 unter chi­ne­si­scher Sou­ve­rä­ni­tät regiert wird. Mit dem Gesetz umgeht die kom­mu­nis­ti­sche Füh­rung das Hong­kon­ger Par­la­ment.