news/APA/Samstag, 04.07.20, 15:56:13

Busi­ness: Ers­te Staats­mil­li­ar­de bei Luft­han­sa ein­ge­trof­fen

Bei der Luft­han­sa sind ers­te Finanz­mit­tel aus der deut­schen Staats­hil­fe ein­ge­trof­fen. Gut eine Woche nach Zustim­mung der Haupt­ver­samm­lung zu dem Ret­tungs­pa­ket hat der Kon­zern die ers­te Tran­che von rund einer Mrd. Euro aus dem KfW-Kre­dit abge­ru­fen, wie ein Spre­cher am Sams­tag erklär­te. Der Zeit­punkt zum Abruf der zwei wei­te­ren Mil­li­ar­den aus dem staat­li­chen Kre­dit ste­he noch nicht fest.
APA/APA (AFP/Symbolbild)/CHRISTOF STA­CHE

Auch die beson­ders umstrit­te­ne Kapi­tal­be­tei­li­gung des Bun­des von 20 Pro­zent ist auf dem Weg. Die neu­en Akti­en sei­en am Frei­tag aus­ge­ge­ben wor­den und sol­len am Mon­tag beim Bund ein­ge­bucht wer­den, sag­te der Spre­cher. Vor allem die­ser Teil der Staats­hil­fe hat­te bei Alt-Aktio­nä­ren Kri­tik her­vor­ge­ru­fen. Neben Kre­dit und Akti­en­an­teil ist zudem eine stil­le Betei­li­gung geplant, für die stei­gen­de Zin­sen anfal­len.

Zuvor hat­te Luft­han­sa-Chef Cars­ten Spohr in einem Inter­view der „Neu­en Zür­cher Zei­tung” betont, dass man vor­aus­sicht­lich das gesam­te Volu­men der Staats­hil­fen über ins­ge­samt 9 Mil­li­ar­den Euro benö­ti­ge – auch um in neue, umwelt­freund­li­che­re Flug­zeu­ge zu inves­tie­ren. „Weil wir weni­ger wach­sen wer­den, haben wir die Zahl der Flug­zeu­ge zwar hal­biert, die wir die nächs­ten Jah­re abneh­men wol­len. Aber die Moder­ni­sie­rung wird fort­ge­führt”, sag­te Spohr. Laut Spre­cher sol­len in den kom­men­den drei Jah­ren rund 80 neue Jets „ein­ge­flot­tet” wer­den, wäh­rend wei­te­re rund 80 Bestel­lun­gen nach hin­ten ver­scho­ben wor­den sei­en.

In der NZZ ver­tei­dig­te Spohr, dass für die Toch­ter­air­line Swiss trotz jah­re­lan­ger Mil­lio­nen-Gewin­ne Mil­li­ar­den-Staats­hil­fen bean­tragt wor­den sei­en. Swiss über­wei­se nicht bloß Geld an die Zen­tra­le nach Frank­furt, son­dern habe Geld zurück­er­hal­ten. Dank Inves­ti­tio­nen ver­fü­ge die Luft­han­sa-Toch­ter über die moderns­te Flot­te im Unter­neh­men, sag­te der 53-jäh­ri­ge Kon­zern­chef. Die Swiss sei heu­te grö­ßer als sei­ner­zeit die 2002 plei­te­ge­gan­ge­ne Swis­sair.

An die Swiss floss laut Spohr noch kein Geld aus der von der Schweiz gut­ge­hei­ße­nen Staats­hil­fe in Höhe von 1,275 Mil­li­ar­den Fran­ken. Bevor Geld flie­ßen kön­ne, müs­se noch der Sta­bi­li­sie­rungs­fonds der deut­schen Regie­rung dem Kre­dit zustim­men.

Die Luft­han­sa will das Geld der­einst so rasch wie mög­lich zurück­zah­len. Einen genau­en Zeit­ho­ri­zont nann­te Spohr aber nicht. Die Luft­han­sa wer­de bis 2023 nicht schul­den­frei sein, sie wol­le aber am Markt Kre­di­te auf­neh­men, um das Geld der Steu­er­zah­ler in der Schweiz, in Deutsch­land und in Öster­reich zurück­zu­zah­len. „Wir möch­ten lie­ber am Kapi­tal­markt ver­schul­det sein als beim Steu­er­zah­ler.”

Dane­ben hielt der Luft­han­sa-Chef die geplan­te Schwei­zer Flug­ti­cket­abga­be für wett­be­werbs­neu­tral. Die Nach­fra­ge wer­de zwar sin­ken, wich­ti­ger aber sei, dass der Wett­be­werb nicht ver­zerrt wer­de. Das sei gewähr­leis­tet. Grund­sätz­lich wür­den die ein­hei­mi­schen Gesell­schaf­ten stark belas­tet, weil sie die meis­ten Abflü­ge im Inland hät­ten. Wenn die CO2-Steu­er aber so aus­ge­stal­tet sei, dass sie sich an der End­des­ti­na­ti­on ori­en­tie­re, müss­ten alle für das ein­zel­ne Ticket den glei­chen Auf­preis ent­rich­ten.

Das Schwei­zer Par­la­ment hat sich jüngst aus Umwelt­über­le­gun­gen im Grund­satz für eine CO2-Abga­be auf Flug­ti­ckets im Umfang zwi­schen 30 bis 120 Fran­ken – je nach Klas­se und Rei­se­di­stanz – aus­ge­spro­chen. Spohr erklär­te, dass der Luft­ver­kehr nur eine Zukunft habe, wenn es auch eine kli­ma­po­li­ti­sche Akzep­tanz dafür gebe.

Zum bevor­ste­hen­den Som­mer- und Feri­en­ge­schäft sag­te Spohr, dass sowohl die Luft­han­sa als auch die Swiss im Kon­ti­nen­tal­ver­kehr über und auf den inter­kon­ti­nen­ta­len Stre­cken unter den Erwar­tun­gen lägen. Der mit Abstand wich­tigs­te Markt, für den allein die Hälf­te der Lang­stre­cken­flug­zeu­ge ein­ge­plant gewe­sen sei, sei­en aber die USA. Spohr hofft, dass sich ab Sep­tem­ber der Ver­kehr dort­hin wie­der zu nor­ma­li­sie­ren beginnt.