news/APA/Samstag, 01.08.20, 19:26:40

Busi­ness: Bur­gen­län­di­scher Lan­des­rat Illedits tritt zurück

Der bur­gen­län­di­sche Gesund­heits- und Sozi­al­lan­des­rat Chris­ti­an Illedits (SPÖ) hat am Sams­tag über­ra­schend sei­nen Rück­tritt bekannt gege­ben. Illedits begrün­de­te den Schritt mit einer Geschenk­an­nah­me vor zwei Jah­ren. Der Lan­des­rat war zuletzt in der Cau­sa um die Com­mer­zi­al­bank Mat­ters­burg von der ÖVP kri­ti­siert und zum Rück­tritt auf­ge­for­dert wor­den.
APA/ROBERT JAE­GER

Vor 25 Jah­ren habe er als Quer­ein­stei­ger sei­ne poli­ti­sche Lauf­bahn begon­nen, sag­te Illedits einem kur­zen State­ment vor Jour­na­lis­ten Sams­tag­nach­mit­tag in Eisen­stadt. In ver­schie­de­nen Funk­tio­nen, in denen er auf Gemein­de- und Lan­des­ebe­ne im Bur­gen­land tätig gewe­sen sei, habe er sich „immer bemüht, „eine ehr­li­che und kon­se­quen­te Poli­tik zu machen”.

„Heu­te muss ich mir aber ein­ge­ste­hen, dass mir ein per­sön­li­cher Feh­ler unter­lau­fen ist”, der nach sei­nem Ver­ständ­nis von Anstand der Poli­tik „nach poli­ti­schen Kon­se­quen­zen ver­langt”, stell­te der Lan­des­rat fest.

Der Fuß­ball­ver­ein SV Mat­ters­burg habe ihm als Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­dem der Fuß­ball­aka­de­mie Bur­gen­land zu sei­nem 60. Geburts­tag vor zwei Jah­ren „ein per­sön­li­ches Geschenk gemacht, das ich nicht anneh­men hät­te dür­fen.” Er habe ein 100-Gramm-Gold­blatt mit einer Ver­eins­wid­mung im Wert von heu­te etwa 5.400 Euro erhal­ten und bei ihm zu Hau­se „als Sou­ve­nir und Erin­ne­rungs­stück abge­legt”, erläu­ter­te Illedits.

„An eine finan­zi­el­le Ver­wer­tung habe ich allei­ne schon auf­grund der Wid­mung nie gedacht. Eine anony­me Anzei­ge hat mich nun wie­der dar­an erin­nert. Natür­lich habe ich mei­nen Anwalt sofort damit beauf­tragt, das Gold­stück zurück­zu­ge­ben”, so der SPÖ-Poli­ti­ker. Er habe Frei­tag­abend Lan­des­haupt­mann Hans Peter Dosko­til (SPÖ) mit­ge­teilt, dass er sei­ne Funk­ti­on als Lan­des­rat und alle damit zusam­men­hän­gen­den öffent­li­chen Funk­tio­nen zurück­le­ge.

„Ich kann heu­te nicht mehr sagen, war­um ich die­ses Geschenk ange­nom­men habe. Sie kön­nen es als Dumm­heit nen­nen oder Gedan­ken­lo­sig­keit, bei­des ist unver­zeih­lich”, sag­te der bur­gen­län­di­sche Sozi­al­lan­des­rat Chris­ti­an Illedits (SPÖ) am Sams­tag in Eisen­stadt: „Ich ver­si­che­re, dass mich die­ses Geburts­tags­ge­schenk nie in irgend­ei­ner Wei­se in mei­nen poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen beein­flusst hat.”

Er sei schon zu lan­ge in der Poli­tik, als dass er nicht wüss­te, „dass nun die mas­si­ven Angrif­fe gegen mei­ne Per­son noch inten­si­ver wer­den”. Vor allem die ÖVP ver­su­che, ihm auf­grund sei­ner kur­zen poli­ti­schen Zustän­dig­keit für Wirt­schafts- und Erwerbs­ge­nos­sen­schaf­ten im Zusam­men­hang mit dem „Kri­mi­nal­fall Com­mer­zi­al­bank” eine zen­tra­le Rol­le zuzu­schrei­ben, so Illedits: „Die­se per­sön­li­chen Unter­grif­fe hal­te ich aus, weil ich weiß, dass ich mir hier nichts vor­zu­wer­fen habe.”

Woge­gen er sich aber auch als Pri­vat­per­son mit allen Mit­teln weh­ren wer­de, sei­en Ver­su­che, sei­ne Fami­lie, die Lan­des­re­gie­rung und sei­ne Par­tei, die SPÖ Bur­gen­land in die­ses „poli­ti­sche Spiel” hin­ein­zu­zie­hen. Es tue ihm unend­lich leid, „dass ich das gro­ße Ver­trau­en, das der Lan­des­haupt­mann, mei­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in der Lan­des­re­gie­rung, mein Team, mei­ne Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler in mich gesetzt haben, ent­täuscht habe und hof­fe, dass man mir irgend­wann auch ver­zei­hen kann”, sag­te Illedits.

Er habe lei­den­schaft­lich ger­ne für das Bur­gen­land gear­bei­tet. Er bedan­ke sich „bei allen, mit denen ich in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten an der posi­ti­ven Wei­ter­ent­wick­lung unse­res Hei­mat­lan­des arbei­ten durf­ten.”

Lan­des­haupt­mann Hans Peter Dosko­zil (SPÖ) bestä­tig­te am Sams­tag in einer Aus­sendung, dass ihn Illedits am Frei­tag­abend über des­sen Rück­tritts­ent­schei­dung infor­miert habe. Er hal­te die­sen Schritt für rich­tig und habe ihn daher zur Kennt­nis genom­men, stell­te Dosko­zil fest.

„Chris­ti­an Illedits hat aus frei­en Stü­cken die Kon­se­quenz aus einem ein­ma­li­gen Fehl­ver­hal­ten gezo­gen. Ich habe Respekt davor, dass er sei­ne poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung in die­ser Wei­se wahr­nimmt”, so Dosko­zil. Dem nun bekannt gewor­de­nen Vor­fall vor rund zwei Jah­ren ste­he ein poli­ti­sches Lebens­werk gegen­über, das Aner­ken­nung ver­die­ne, beton­te der Lan­des­haupt­mann.

Illedits habe die Lan­des­po­li­tik über zwei Jahr­zehn­te mit­ge­prägt. Als lang­jäh­ri­ger Bür­ger­meis­ter von Draß­burg habe er sich auch um sei­ne Hei­mat­ge­mein­de gro­ße Ver­diens­te erwor­ben. „Chris­ti­an Illedits war ein Voll­blut­po­li­ti­ker, der sich selbst nie geschont hat. Aus die­ser Grund­hal­tung her­aus hat er jetzt auch das For­mat, gegen­über der Öffent­lich­keit für einen Feh­ler ein­zu­ste­hen”, so der Lan­des­haupt­mann. Er kön­ne nach­voll­zie­hen, dass für Illedits nun vor allem der Schutz sei­ner Fami­lie im Vor­der­grund ste­he.

Über die nun­mehr erfor­der­li­chen per­so­nel­len und poli­ti­schen Wei­chen­stel­lun­gen wer­de er zeit­nah infor­mie­ren, so Dosko­zil, der für Mon­tag eine Stel­lung­nah­me ankün­dig­te.

Er neh­me den Rück­tritt von Lan­des­rat Chris­ti­an Illedits (SPÖ) „zur Kennt­nis”, stell­te indes FPÖ-Bun­des­par­tei­ob­mann Nor­bert Hofer am Sams­tag fest. Hofer for­der­te in einer Aus­sendung eine Ehren­er­klä­rung der SPÖ im Bur­gen­land. Der Rück­tritt von Illedits kön­ne „wohl nur der ers­te Schritt” im Mat­ters­bur­ger Com­mer­zi­al­bank-Skan­dal sein, beton­te die stell­ver­tre­ten­de ÖVP-Gene­ral­se­kre­tä­rin Gaby Schwarz.