news/APA/Samstag, 01.08.20, 09:49:31

Busi­ness: Aus­tro Con­trol erwar­tet min­des­tens 100 Mio. Euro Ver­lust

Die Coro­na­kri­se trifft die hei­mi­sche Flug­si­che­rung Aus­tro Con­trol hart. Aus­tro-Con­trol-Geschäfts­füh­re­rin Vale­rie Hackl erwar­tet für heu­er eine Hal­bie­rung des Umsat­zes auf 150 Mio. Euro und einen Ver­lust von min­des­tens 100 Mio. Euro. „Um die Umsatz­ein­brü­che bis 2022 zu kom­pen­sie­ren, haben wir einen Ein­spa­rungs­be­darf von ins­ge­samt 260 Mil­lio­nen Euro”, sag­te Hackl dem „Kurier” (Sams­tags­aus­ga­be).
APA/HERBERT PFARR­HO­FER

Der Flug­ver­kehr ist heu­er wegen der Coro­na-Pan­de­mie um 60 Pro­zent ein­ge­bro­chen, von März bis Mai gab es ein Minus von 90 Pro­zent. Laut Aus­tro Con­trol über­flo­gen in Vor­kri­sen­zei­ten im Schnitt den Him­mel in Öster­reich 3.000 bis 4.000 Flü­ge am Tag, aktu­ell sind es 1.300 Flü­ge. Wenn sich der Flug­ver­kehr im lau­fen­den Jahr nicht wei­ter erholt, erwar­tet die Aus­tro-Con­trol-Che­fin einen Ver­lust von 140 bis 150 Mio. Euro.

Seit Anfang 2019 lei­tet Hackl gemein­sam mit Axel Schwarz die staat­li­che Flug­si­che­rung. Nun will man ein Sanie­rungs­pro­gramm ent­wi­ckeln. „Wir haben auch den Auf­trag des Eigen­tü­mers (Kli­ma­schutz­mi­nis­te­ri­um) und des Auf­sichts­ra­tes, Maß­nah­men zu defi­nie­ren, wie wir uns sta­bi­li­sie­ren und die 260 Mil­lio­nen zurück­ho­len kön­nen”, sag­te Hackl der Zei­tung. Die Aus­tro Con­trol hat rund 1.000 Mit­ar­bei­ter, unter ande­rem Flug­lot­sen, Tech­ni­ker und Meteo­ro­lo­gen. Wegen der Coro­na­kri­se schick­te die Flug­si­che­rung die gesam­te Beleg­schaft von Anfang Mai bis Ende Juli in Kurz­ar­beit.

Die hohen Per­so­nal­kos­ten bei der Aus­tro Con­trol waren bereits vor der Coro­na-Pan­de­mie ein The­ma. Der Rech­nungs­hof habe in sei­ner von Okto­ber bis Dezem­ber 2019 durch­ge­führ­ten Fol­low-up-Über­prü­fung erneut die Pri­vi­le­gi­en bei der staat­li­chen Flug­si­che­rung kri­ti­siert, schrieb der „Kurier” Ende Juni. So gut wie kei­ne Emp­feh­lung der Vor­prü­fung 2018 zur Sen­kung der aus­ufern­den Per­so­nal­kos­ten sei umge­setzt wor­den, weder von der Aus­tro Con­trol noch vom über­ge­ord­ne­ten Kli­ma­schutz­mi­nis­te­ri­um.

Der Umsatz­rück­gang durch die Coro­na­kri­se erhöht nun den Spar­druck auf die Aus­tro-Con­trol-Geschäfts­füh­rung. „Wir wer­den nicht umhin­kom­men, unse­re Per­so­nal­kos­ten zu redu­zie­ren. Die gro­ße Her­aus­for­de­rung ist, dies mög­lichst sozi­al ver­träg­lich zu gestal­ten”, sag­te Hackl. „Wir erstre­cken das Sanie­rungs­pro­gramm auf 5 bis 10 Jah­re. So redu­zie­ren wir die Kos­ten jedes Jahr um 10 bis 15 Pro­zent.” Man kür­ze auch die Sach­kos­ten, der Groß­teil der Ein­spa­run­gen ent­fal­le aber auf Per­so­nal­kos­ten.

Wie genau die Ein­spa­run­gen bei der Aus­tria Con­trol aus­fal­len wer­den, ist der­zeit noch offen. „Wir haben einen Pols­ter von 800 Mil­lio­nen Euro an Rück­stel­lun­gen für Pen­sio­nen, Früh­pen­sio­nen, Abfer­ti­gun­gen und Jubi­lä­ums­gel­dern. Wenn wir den Mix schaf­fen aus Reduk­ti­on des Sozi­al­ka­pi­tals, Ein­frie­ren der Pen­sio­nen und Null­lohn­run­den, dann kommt schon was zusam­men”, sag­te die Aus­tro-Con­trol-Geschäfts­füh­re­rin. „Unser Pro­blem ist, dass wir zu vie­le Alt­las­ten und Alt­ver­trä­ge haben.” Die Details des Spar­pa­kets wür­den aber von den Ver­hand­lun­gen mit der Gewerk­schaft Vida und der GPF (Post- und Fern­mel­de­be­diens­te­te) abhän­gen.