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news/APA/Sonntag, 10.01.21, 15:31:32

Bestür­zung nach Flug­zeug­tra­gö­die in Indonesien

Vor der Insel Java hat eine Flug­zeug­tra­gö­die ver­mut­lich 62 Men­schen­le­ben gefor­dert. Nach dem Absturz einer indo­ne­si­schen Pas­sa­gier­ma­schi­ne ent­deck­ten Such­trupps am Sonn­tag den Flug­schrei­ber der Boe­ing 737–500 im Meer. Die Maschi­ne war unter­wegs von der Haupt­stadt Jakar­ta nach Pon­tia­nak auf der Insel Bor­neo, als es am Sams­tag kurz nach dem Start vom Radar ver­schwand. Danach war sein Schick­sal lan­ge unge­wiss, bis klar wur­de: Die Maschi­ne ist in der Java­see zerschellt.
APA/APA (AFP)/ADEK BERRY

„Wir kön­nen zwei Signa­le von der Black Box hören und konn­ten ihre Posi­ti­on loka­li­sie­ren”, sag­te Luft­mar­schall Hadi Tjah­jan­to. „Wir hof­fen, sie bald ber­gen zu kön­nen.” Zuvor waren bereits Trüm­mer­tei­le in 23 Metern Tie­fe ent­deckt wor­den, wie das Trans­port­mi­nis­te­ri­um mit­teil­te. „Wir sind sicher, dass dies der Punkt ist, an dem das Flug­zeug abge­stürzt ist”, so Tjahjanto.

Die indo­ne­si­sche Such- und Ret­tungs­agen­tur schrieb in einem State­ment, es sei­en auch fünf Behält­nis­se mit mensch­li­chen Über­res­ten an Land gebracht wor­den. Die Poli­zei habe begon­nen, DNA-Pro­ben von Fami­li­en­mit­glie­dern der Pas­sa­gie­re zu neh­men und Infor­ma­tio­nen zu sam­meln, um Opfer iden­ti­fi­zie­ren zu kön­nen, sag­te der Poli­zei­spre­cher von Jakar­ta, Yus­ri Yunus.

Das quä­len­de War­ten der Ange­hö­ri­gen auf Infor­ma­tio­nen über das Schick­sal der Flug­zeug­insas­sen – 50 Pas­sa­gie­re und zwölf Crew-Mit­glie­der – dau­er­te auch am Sonn­tag an. Vie­le harr­ten in ver­zwei­fel­ter Hoff­nung auf dem Soe­pa­dio Inter­na­tio­nal Air­port in Pon­tia­nak aus. Am Soe­kar­no-Hat­ta Inter­na­tio­nal Air­port in Jakar­ta, wo die Maschi­ne gestar­tet war, wur­de ein Kri­sen­zen­trum eingerichtet.

In indo­ne­si­schen Medi­en ver­öf­fent­lich­te Fotos zeig­ten Fund­stü­cke der Ein­satz­kräf­te aus dem Oze­an, dar­un­ter Klei­dungs­stü­cke, Per­so­nal­aus­wei­se und Flug­zeug­tei­le. Außer­dem sei­en Ret­tungs­wes­ten und Tei­le mit der Regis­trier­num­mer der 27 Jah­re alten Maschi­ne gebor­gen wor­den, so Tjah­jan­to. „Wir haben einen Bericht vom Tauch­team erhal­ten, dass die Sicht unter Was­ser gut war, was die Ent­de­ckung einer Rei­he von Flug­zeug­tei­len ermöglichte.”

Vivi, deren Ehe­mann auf dem Flug der Sri­wi­ja­ya Air war, hoff­te noch auf ein Wun­der. Dem loka­len Nach­rich­ten­por­tal „Sua​ra​.com” sag­te sie, ihr Mann habe ursprüng­lich mit einer ande­ren Flug­ge­sell­schaft flie­gen sol­len, sei aber dann umge­bucht wor­den. „Ich hof­fe, mein Mann lebt und es geht ihm gut. Bit­te betet für ihn.” Nanik, deren Toch­ter und die sechs und zwei Jah­re alten Enkel an Bord waren, hielt wei­nend ein Foto ihrer Lie­ben in die Kameras.

Die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on „GP Oran­gut­an Con­ser­va­ti­on Pro­gram” sorg­te sich um einen Mit­ar­bei­ter des Natio­nal­parks Gunung Palung auf Bor­neo. Der 25-Jäh­ri­ge sei zusam­men mit sei­ner Frau, sei­ner Toch­ter, sei­ner Mut­ter und sei­ner Nich­te in dem Flug­zeug gewe­sen, schrieb die Orga­ni­sa­ti­on auf Twitter.

In sozia­len Netz­wer­ken drück­ten zahl­rei­che Indo­ne­si­er unter dem Hash­tag #PrayForSJ182 (Betet für Flug SJ182) ihre Bestür­zung aus. Prä­si­dent Joko Wido­do drück­te den Ange­hö­ri­gen sein Mit­ge­fühl aus. „Lasst uns beten, dass alle Opfer gefun­den wer­den”, sag­te er.

Die Unglücks­ur­sa­che und der genaue Her­gang der Tra­gö­die waren noch unklar. Air­line-Chef Jef­fer­son Irwin Jau­we­na hat­te am Sams­tag betont, das Flug­zeug sei wegen star­ken Regens mit 30 Minu­ten Ver­spä­tung gestar­tet. Die Flug­zeit nach Pon­tia­nak beträgt nor­ma­ler­wei­se knapp 90 Minuten.

Daten des schwe­di­schen Inter­net­diens­tes Flightradar24 zeig­ten, dass die Maschi­ne aber schon vier Minu­ten nach dem Abhe­ben inner­halb von einer Minu­te mehr als 3.300 Meter Höhe ver­lor. Danach war sie nörd­lich von Java ver­schwun­den. Fischer berich­te­ten, eine Explo­si­on gehört zu haben.

Ret­tungs­teams mach­ten sich in das Gebiet der Inseln Laki Island und Lan­cang Island auf, wo ers­te Trüm­mer­tei­le gefun­den wur­den. Die bei­den Inseln sind Teil der Grup­pe Thousand Islands vor der Küs­te von Java. Das Mili­tär war mit Schif­fen und Hub­schrau­bern im Einsatz.

2018 war eine Boe­ing 737 Max der indo­ne­si­schen Gesell­schaft Lion Air nach dem Start in Jakar­ta auf dem Weg zur Insel Bang­ka abge­stürzt. Alle 189 Insas­sen kamen ums Leben. 2014 stürz­te ein Air­bus A320 der Bil­lig-Air­line Indo­ne­sia AirA­sia auf dem Weg von Sura­ba­ya auf Java nach Sin­ga­pur ins Meer. Auch hier star­ben alle 162 Men­schen an Bord.

Die EU-Kom­mis­si­on hat­te 2007 alle Flug­ge­sell­schaf­ten aus Indo­ne­si­en auf ihre „Schwar­ze Lis­te” unsi­che­rer Air­lines gesetzt und somit ein EU-Ein­flug­ver­bot erteilt. 2018 hob die EU sämt­li­che Restrik­tio­nen nach einer Ver­bes­se­rung der Sicher­heits­la­ge wie­der auf.