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news/APA/Dienstag, 14.09.21, 15:40:36

Arbeits­lo­sig­keit wei­ter gesunken

Der kräf­ti­ge Wirt­schafts­auf­schwung hat die Arbeits­lo­sig­keit fast auf das Niveau vor der Coro­na­kri­se sin­ken las­sen. Aktu­ell sind 272.578 Per­so­nen beim Arbeits­markt­ser­vice (AMS) arbeits­los gemel­det und 63.576 befin­den sich in AMS-Schu­lun­gen, geht aus den wöchent­li­chen Arbeits­lo­sen­zah­len her­vor. Die Zahl der Job­su­chen­den sank gegen­über der Vor­wo­che um 5.264, die Anzahl der Schu­lungs­teil­neh­mer stieg um 2.646.
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Im Ver­gleich zu 2020 sind der­zeit um 82.700 Men­schen weni­ger arbeits­los gemel­det. „Wir haben am Arbeits­markt mitt­ler­wei­le bei­na­he das Vor­kri­sen­ni­veau erreicht, mit nur mehr 2.500 Arbeits­lo­sen mehr als 2019”, sag­te Arbeits­mi­nis­ter Mar­tin Kocher (ÖVP) am Diens­tag bei einer Pres­se­kon­fe­renz mit Finanz­mi­nis­ter Ger­not Blü­mel (ÖVP) in Wien. Der Anstieg der Schu­lun­gen sei ein „typi­scher Effekt im Sep­tem­ber”, weil wie­der mehr Schu­lungs­pro­gram­me gestar­tet sind.

Die Anmel­dun­gen zur Kurz­ar­beit sind auf der­zeit 58.812 wie­der leicht nach oben gegan­gen. Die Coro­na-Kurz­ar­beit für beson­ders betrof­fe­ne Betrie­be – etwa Luft­fahrt oder Stadt­ho­tel­le­rie – läuft vor­erst noch bis Ende Dezem­ber, für ande­re Unter­neh­men gibt es das Covid-Kurz­ar­beits­mo­dell mit redu­zier­ter För­der­hö­he bis Ende Juni 2022. Es wer­de im Lau­fe des Novem­bers Gesprä­che zur Zukunft der Coro­na-Kurz­ar­beit geben, sag­te Kocher auf Jour­na­lis­ten­nach­fra­ge. Der­zeit war­te man die wei­te­re Ent­wick­lung der Kurz­ar­beits­zah­len ab.

Auf­grund der Erho­lung des Arbeits­markts ach­te das AMS seit Som­mer wie­der stär­ker auf die Ver­bind­lich­keit bei der Ver­mitt­lung. Heu­er im August wur­den 2.850 Arbeits­lo­sen­geld-Sper­ren durch das AMS ver­hängt, im August 2019 waren es 2.700. Sper­ren gibt es, wenn Arbeits­lo­se ange­bo­te­ne Arbeits­plät­ze oder Schu­lun­gen verweigern.

Ange­sichts der Rekord­zahl an offe­nen Stel­len ver­zeich­ne­te das AMS auch eine posi­ti­ve Ten­denz bei der Stel­len­be­set­zung. Die Zahl der Ver­mitt­lun­gen sei von 295.000 im August 2019 auf 363.000 heu­er im August gestie­gen. „Es gibt wie­der eine hohe Dyna­mik”, kom­men­tier­te Kocher die aktu­el­le Arbeitsmarktlage.

Finanz­mi­nis­ter Blü­mel ver­wies auf die posi­ti­ve wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung. Laut wöchent­li­chem Wifo-Wirt­schafts­in­dex für den Zeit­raum 23. August bis 5. Sep­tem­ber lag das Brut­to­in­lands­pro­dukt um 1,4 Pro­zent (Kalen­der­wo­che 34) bzw. 1,1 Pro­zent (Kalen­der­wo­che 35) über dem Vor­kri­sen­ni­veau. Im Ver­gleich zur sel­ben Kalen­der­wo­che im Vor­jahr war das Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) um 4,7 Pro­zent bzw. 3,5 Pro­zent höher. „Die­se Ent­wick­lung ist posi­tiv für den Arbeits­markt und die Steu­er­ein­nah­men und somit auch für das Bud­get”, sag­te Blü­mel. Die Ent­wick­lung seit Beginn des Jah­res habe „sich bereits durch die Öff­nungs­schrit­te im Früh­ling und nun im Som­mer wei­ter verbessert”.

Die wirt­schaft­li­che Erho­lung zeigt sich auch bei den sin­ken­den Antrag­stel­lun­gen für Coro­na-Wirt­schafts­hil­fen und dem aus­be­zahl­ten För­der­vo­lu­men. Beim Aus­falls­bo­nus gab es im Jän­ner laut Finanz­mi­nis­te­ri­um mehr als 110.000 Antrag­stel­ler mit einem bean­trag­ten Volu­men von mehr als 615 Mio. Euro. Im Juni sank die Zahl auf 34.000 Antrag­stel­ler (128 Mio. bean­trag­tes Volu­men) und für Juli sind bis dato 5.700 Anträ­ge mit einem Volu­men von 28 Mil­lio­nen eingegangen.

Beim Här­te­fall­fonds wur­den im Jän­ner über 110.000 Antrag­stel­ler ver­zeich­net – im Juni waren es weni­ger als 70.000. Das aus­be­zahl­te Volu­men redu­zier­te sich laut Minis­te­ri­um um rund 40 Pro­zent – von über 140 Mio. Euro auf ca. 85 Mio. Euro.

Seit Anfang August kön­nen Unter­neh­men im Rah­men eines Amnes­tie-Pro­gramms zu hoch bean­trag­te Covid-19-För­de­run­gen bis Jah­res­en­de bei der COFAG kor­ri­gie­ren. Zum Stich­tag 8. Sep­tem­ber sind laut Finanz­mi­nis­te­ri­um über 250 Kor­rek­tur­mel­dun­gen ein­ge­langt – wel­che einen Betrag von über 3,5 Mio. Euro umfas­sen. Eine frei­wil­li­ge Kor­rek­tur bewahrt Unter­neh­men vor einer etwai­gen Anzei­ge, zu der die Finanz­ver­wal­tung bei Miss­stän­den ver­pflich­tet ist. „Der­zeit gehen wir davon aus, dass es nicht zu einer über­durch­schnitt­li­chen Miss­brauchs­ra­te gekom­men ist”, sag­te der Finanz­mi­nis­ter auf Nach­fra­ge. Jeder För­der­fall wer­de aber noch ein­mal überprüft.

SPÖ-Sozi­al­spre­cher Josef Muchitsch for­der­te von Kocher und Blü­mel eine grö­ße­re Job­of­fen­si­ve. „Ich erwar­te mir von den Minis­tern geziel­te Beschäf­ti­gungs­pro­gram­me im Kampf gegen die Arbeits­lo­sig­keit und nicht, dass sie nur an den Sei­ten­li­ni­en ste­hen und Zah­len kom­men­tie­ren”, so Muchitsch in einer Aus­sendung. FPÖ-Wirt­schafts­spre­cher Erwin Ange­rer dräng­te dar­auf, bei der von ÖVP und Grü­nen geplan­ten Arbeits­markt­re­form, unter ande­rem auch „die Sen­kung der viel zu hohen Lohn­ne­ben­kos­ten” sowie den Lehr­lings- und Fach­ar­bei­ter­man­gel ins Blick­feld zu neh­men. Dass Pro­blem sei, dass „Arbei­ter und Ange­stell­te – die Leis­tungs­trä­ger unse­rer Gesell­schaft – schlicht und ein­fach zu wenig verdienen”.

Die NEOS plä­die­ren ange­sichts der Wirt­schafts­er­ho­lung für eine Nach­schär­fung bei den Coro­na-Wirt­schafts­hil­fen, etwa bei der Kurz­ar­beit oder dem Aus­falls­bo­nus. „Die Regie­rung darf den Arbeits­markt nicht wei­ter mit dem Kri­sen­in­stru­ment Coro­na-Kurz­ar­beit kon­ser­vie­ren”, sag­te NEOS-Wirt­schafts- und Sozi­al­spre­cher Gerald Loacker.