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news/APA/Samstag, 21.11.20, 19:20:28

Appel­le zur gemein­sa­men Pan­de­mie-Bekämp­fung bei G20-Gipfel

Die Prä­si­den­ten Chi­nas und Russ­lands sowie füh­ren­de EU-Ver­tre­ter haben Ent­wick­lungs­län­dern Zugang zu Coro­na-Impf­stof­fen ange­bo­ten. In Reden auf einem vir­tu­el­len G20-Gip­fel beton­ten meh­re­re Red­ner am Sams­tag die Not­wen­dig­keit, in der Kri­se glo­bal zusam­men­zu­ar­bei­ten. „Um die Pan­de­mie ein­zu­däm­men, muss der Zugang zur Imp­fung für jedes Land mög­lich und bezahl­bar sein. Dazu rei­chen die bis­her zuge­sag­ten Mit­tel noch nicht aus”, sag­te die deut­sche Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Merkel. 
APA/APA (AFP)/FAYEZ NURELDINE

Sau­di-Ara­bi­ens König Sal­man äußer­te sich ähn­lich. Als Gip­fel-Gast­ge­ber mahn­te er, dass genug bezahl­ba­rer Impf­stoff für Ent­wick­lungs­län­der zur Ver­fü­gung ste­hen müs­se. US-Prä­si­dent Donald Trump lob­te nach Teil­neh­mer­an­ga­ben in sei­nem Bei­trag dage­gen vor allem das ame­ri­ka­ni­sche Vor­ge­hen in der Coro­na-Kri­se und sag­te, dass die US-Unter­neh­men Moder­na und Pfi­zer Impf­stof­fe ent­wi­ckelt hät­ten. Pfi­zers deut­schen Part­ner Bio­n­tech erwähn­te er nicht. 

Das zwei­tä­gi­ge Tref­fen der Staats- und Regie­rungs­chefs der wich­tigs­ten Indus­trie- und Schwel­len­län­der fin­det dies­mal wegen der Coro­na-Kri­se nur vir­tu­ell statt. Haupt­the­men sind der Kampf gegen die Pan­de­mie, der damit ver­bun­de­nen Wirt­schafts­ein­bruch sowie der Kli­ma­wan­del. Trump traf dabei – online – erst­mals auf ande­re Regie­rungs­chefs wie Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel, die bereits Joe Biden zum Sieg bei der US-Prä­si­den­ten­wahl gra­tu­liert haben.

Chi­nas Prä­si­dent Xi for­der­te auch eine inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit, um inter­na­tio­na­le Rei­sen in der Coro­na-Kri­se ein­fa­cher zu machen. Chi­na wer­de einen Vor­schlag vor­le­gen, wie Rei­sen­de mit digi­ta­len Gesund­heits­codes nach­wei­sen könn­ten, dass sie nega­tiv getes­tet wur­den. Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Putin bot den in sei­nem Land ent­wi­ckel­ten Impf­stoff Sput­nik V an und beton­te, die For­scher sei­en dabei, einen zwei­ten und drit­ten Coro­na-Impf­stoff zu ent­wi­ckeln. Mer­kel und Frank­reichs Prä­si­dent Emma­nu­el Macron wie­der­um for­der­ten eine stär­ke­re finan­zi­el­le Unter­stüt­zung der bereits exis­tie­ren­den inter­na­tio­na­len Covax-Initia­ti­ve, die Coro­na-Impf­stof­fe auch für Ent­wick­lungs­län­der zur Ver­fü­gung stel­len soll.

Der Chef der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO), Tedros Adha­nom Ghe­breye­sus, order­te die G20-Staa­ten auf, welt­weit eine „fai­re Ver­tei­lung” der Coro­na-Impf­stof­fe zu gewähr­leis­ten. Die sei die Vor­aus­set­zung zur Ein­däm­mung der Pan­de­mie und für eine schnel­le­re Erho­lung der Welt­wirt­schaft. Den Län­dern der G20, die zwei Drit­tel der Welt­be­völ­ke­rung und 80 Pro­zent der glo­ba­len Wirt­schaft reprä­sen­tier­ten, kom­me dabei beson­de­re Ver­ant­wor­tung zu, sag­te er dem von der WHO ver­brei­te­ten Rede­text zufolge.

In Aus­zü­gen eines Ent­wurfs für die Abschluss­erklä­rung heißt es, die Grup­pe wer­de alles ihr Mög­li­che tun, um die Pan­de­mie ein­zu­däm­men und Leben, Jobs und Ein­kom­men zu schüt­zen. Zugleich war­nen die 20 Indus­trie- und Schwel­len­län­der, dass die glo­ba­le wirt­schaft­li­che Erho­lung „unaus­ge­gli­chen, höchst unsi­cher” blei­be und mit „erhöh­ten Abwärts­ri­si­ken” behaf­tet sei. Eini­ge ärme­re Län­der bräuch­ten womög­lich wei­ter­rei­chen­de Schul­den­er­leich­te­run­gen. Die Pan­de­mie tref­fe die Schwächs­ten in der Gesell­schaft am härtesten.

An den Bera­tun­gen neh­men auch die Prä­si­den­ten inter­na­tio­na­ler Orga­ni­sa­tio­nen wie des Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) oder der Welt­bank teil.

Am Ran­de des Gip­fels kri­ti­sier­te die Orga­ni­sa­ti­on Repor­ter ohne Gren­zen, Gast­ge­ber Sau­di-Ara­bi­en sei einer der „erfolg­reichs­ten Ker­ker­meis­ter für Jour­na­lis­ten” welt­weit. Das König­reich schrän­ke die Pres­se­frei­heit so stark ein wie kaum ein ande­res Land. 34 Jour­na­lis­ten säßen wegen ihrer Arbeit dort der­zeit im Gefäng­nis. Die fran­zö­si­sche Orga­ni­sa­ti­on ver­wies auch auf den bru­ta­len Mord am regie­rungs­kri­ti­schen Jour­na­lis­ten Jamal Khash­og­gi im Okto­ber 2018. Sau­di-Ara­bi­en steht wegen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen immer wie­der unter Beschuss.