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news/APA/Samstag, 21.11.20, 18:10:54

Appel­le zur gemein­sa­men Pan­de­mie-Bekämp­fung bei G20-Gipfel

Zum Auf­takt des G20-Gip­fels hat Gast­ge­ber Sau­di-Ara­bi­en gemein­sa­me Anstren­gun­gen der füh­ren­den Indus­trie- und Schwel­len­län­der bei der Bewäl­ti­gung der Coro­na-Pan­de­mie ein­ge­mahnt. „Wir haben eine Pflicht, uns der Her­aus­for­de­rung bei die­sem Gip­fel gemein­sam zu stel­len und eine star­ke Bot­schaft der Hoff­nung zu geben”, sag­te König Sal­man in einer Video­schal­tung am Sams­tag. Bei dem zwei­tä­gi­gen Gip­fel wird es vor allem um den wei­te­ren Kampf gegen die Pan­de­mie gehen.
APA/APA (AFP)/FAYEZ NURELDINE

Welt­weit lit­ten Men­schen und Wirt­schaf­ten unter die­sem Schock. „Aber wir wer­den unser Bes­tes tun, um die­se Kri­se durch inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit zu über­ste­hen”, erklär­te der sau­di­sche Monarch.

Der Gip­fel dürf­te der letz­te gro­ße inter­na­tio­na­le Auf­tritt von US-Prä­si­dent Donald Trump sein. Trump schien zum Auf­takt min­des­tens abge­lenkt zu sein: Auf Twit­ter mel­de­te er sich in der ers­ten Stun­de mit meh­re­ren Nach­rich­ten zum angeb­li­chen Wahl­be­trug in den USA und mit Neu­ig­kei­ten zum Gesund­heits­zu­stand sei­nes Soh­nes Donald Trump Juni­or zu Wort, der sich Medi­en­be­rich­ten zufol­ge mit dem Coro­na­vi­rus infi­ziert hat.

„Es ist ein außer­or­dent­li­ches Jahr gewe­sen”, sag­te der sicht­lich alters­schwa­che 84 Jah­re alte Sal­man. „Die Covid-19-Pan­de­mie war ein bei­spiel­lo­ser Schock, der die gesam­te Welt in kur­zer Zeit beein­träch­tigt und dabei wirt­schaft­li­che und sozia­le Ver­lus­te ver­ur­sacht hat.” Die Län­der müss­ten nun gemein­sam dar­an arbei­ten, Impf­stof­fe gegen das Virus sowie Behand­lungs­maß­nah­men zu ent­wi­ckeln. Die­se Werk­zeu­ge müss­ten „allen Men­schen” zur Ver­fü­gung stehen.

Schon im Vor­feld hat­te sich der bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter Boris John­son dafür stark gemacht, welt­weit einen gleich­be­rech­tig­ten Zugang zu Impf­stof­fen zu gewähr­leis­ten. „Ich wür­de ger­ne sehen, dass die G20-Staa­ten die­sen Ansatz unter­stüt­zen”, sag­te er in einer Video­bot­schaft. Die Grup­pe der füh­ren­den Wirt­schafts­mäch­te müs­se ihrem Ver­spre­chen gerecht wer­den, alle Maß­nah­men zu ergrei­fen, um die Pan­de­mie zu bewäl­ti­gen und Men­schen­le­ben zu schützen.

Auf dem Gip­fel soll unter ande­rem dis­ku­tiert wer­den, wie nach einer Zulas­sung von Coro­na-Impf­stof­fen deren Ver­tei­lung gestal­tet wird. UNO-Gene­ral­se­kre­tär Antó­nio Guter­res hat­te sich am Frei­tag noch ein­mal für die inter­na­tio­na­le Initia­ti­ve Covax stark gemacht, die Impf­stof­fe für alle Men­schen erhält­lich und erschwing­lich machen soll.

Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Putin bot beim G20-Gip­fel der inter­na­tio­na­len Gemein­schaft einen brei­ten Zugang zu dem in Russ­land ent­wi­ckel­ten Impf­stoff „Sputnik‑V” an. Sein Land unter­stüt­ze die Ent­schei­dung des G20-Gip­fels, die Impf­stof­fe für die gesam­te Bevöl­ke­rung des Pla­ne­ten zugäng­lich zu machen, sag­te der 68-Jäh­ri­ge am Sams­tag bei dem von Gast­ge­ber Sau­di-Ara­bi­en als Video-Kon­fe­renz orga­ni­sier­ten Treffen.

Russ­land sei bereit, sei­ne selbst ent­wi­ckel­ten Impf­stof­fe – es sind drei ver­schie­de­ne – bedürf­ti­gen Staa­ten zur Ver­fü­gung zu stel­len. Kon­kur­renz unter den Her­stel­lern der Vak­zi­ne sei unaus­weich­lich, mein­te Putin. Aber es gehe hier zuerst auch um die „huma­ni­tä­re Seite”.

Russ­land hat bis­her für kei­nen sei­ner Impf­stof­fe eine inter­na­tio­na­le Zulas­sung. Die Wirk­sam­keit von „Sputnik‑V” ist von unab­hän­gi­ger Sei­te bis­her nicht nach­ge­wie­sen. Russ­land hat das Vak­zin zur brei­ten Anwen­dung bereits zuge­las­sen und Lie­fer­ver­trä­ge mit ande­ren Staa­ten geschlos­sen. Zwei wei­te­re Impf­stof­fe sol­len im nächs­ten Jahr zum Ein­satz kommen.

Im Kampf gegen die Pan­de­mie will auch der chi­ne­si­sche Staats- und Par­tei­chef Xi Jin­ping die Koope­ra­ti­on Chi­nas mit ande­ren Län­dern bei der For­schung, Ent­wick­lung, Pro­duk­ti­on und Ver­tei­lung von Impf­stof­fen gegen das Coro­na­vi­rus ver­stär­ken. Auf dem G20-Gip­fel sag­te Xi Jin­ping am Sams­tag, Chi­na wol­le Ent­wick­lungs­län­der unter­stüt­zen, indem Impf­stof­fe als „öffent­li­ches Gut” zugäng­lich und erschwing­lich wer­den. In Chi­na sind gera­de meh­re­re Impf­stof­fe in der Entwicklung.

Xi Jin­ping schlug fer­ner die Schaf­fung von Mecha­nis­men für die gegen­sei­ti­ge Aner­ken­nung von „Gesund­heits­codes” vor. Die­se soll­ten auf Test­ergeb­nis­sen und uni­ver­sell aner­kann­ten, maschi­nen­les­ba­ren Strich­codes (QR-Codes) basieren. 

Vor knapp einem Jahr waren in Zen­tral­chi­na erst­mals Infek­tio­nen mit dem neu­ar­ti­gen Virus ent­deckt wor­den, das sich explo­si­ons­ar­tig und dann auch welt­weit aus­brei­te­te. Nach einer anfäng­lich lang­sa­men und als unzu­rei­chend kri­ti­sier­ten Reak­ti­on grif­fen Chi­nas Behör­den Ende Jän­ner mas­siv durch. Mit dem Abrie­geln von Mil­lio­nen­me­tro­po­len, Qua­ran­tä­ne, Mas­sen­tests, Kon­takt­ver­fol­gung und Ein­rei­se­be­schrän­kun­gen hat das bevöl­ke­rungs­reichs­te Land das Virus aber in den Griff bekom­men und ver­zeich­net heu­te nur noch ver­ein­zel­te loka­le Infek­tio­nen. Das Leben hat sich somit normalisiert.

Nach Anga­ben der EU soll auf dem Gip­fel um zusätz­li­ches Geld für die Impf­stoff-Initia­ti­ve gewor­ben wer­den. Ihr haben sich bereits mehr als 150 Län­der ange­schlos­sen, dar­un­ter auch Chi­na, nicht aber die USA. Dem abge­wähl­ten, aber noch bis zum 20. Jän­ner amtie­ren­den US-Prä­si­den­ten kommt eine Schlüs­sel­rol­le zu. Er gilt nicht nur bei der Ein­däm­mung der Pan­de­mie, son­dern auch beim zwei­ten Top­the­ma des Gip­fels, dem Kampf gegen die glo­ba­le Erd­er­wär­mung, als Bremser.

Am Ran­de des Gip­fels kri­ti­sier­te die Orga­ni­sa­ti­on Repor­ter ohne Gren­zen, Gast­ge­ber Sau­di-Ara­bi­en sei einer der „erfolg­reichs­ten Ker­ker­meis­ter für Jour­na­lis­ten” welt­weit. Das König­reich schrän­ke die Pres­se­frei­heit so stark ein wie kaum ein ande­res Land. 34 Jour­na­lis­ten säßen wegen ihrer Arbeit dort der­zeit im Gefäng­nis. Die fran­zö­si­sche Orga­ni­sa­ti­on ver­wies auch auf den bru­ta­len Mord am regie­rungs­kri­ti­schen Jour­na­lis­ten Jamal Khash­og­gi im Okto­ber 2018. Sau­di-Ara­bi­en steht wegen Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen immer wie­der unter Beschuss.