apa.at
news/APA/Donnerstag, 16.06.22, 06:55:11

Ambros fei­er­te Büh­nen­ju­bi­lä­um in Wien – und war klasse

Wolf­gang Ambros ist in den letz­ten Jah­ren durch die „Höl­le” gegan­gen, wie er selbst sagt. Doch sein Publi­kum hat er trotz Krebs­lei­den, uner­träg­li­cher Rücken­schmer­zen und einer unschö­nen Tren­nung von der Mut­ter sei­ner Zwil­ling nie im Stich gelas­sen. Am Mitt­woch­abend dank­ten es ihm sei­ne Fans in der Wie­ner Stadt­hal­le mit Stan­ding Ova­tions. „50 Jah­re live” gab es zu fei­ern – und der „Wol­ferl” war schlicht­weg klasse.
APA/APA/FLORIAN WIESER/FLORIAN WIESER

Es gab eine Zeit, da hat der Saal bei „Ski­fo­an” das Kom­man­do, sprich den Gesang, über­nom­men. Das war dies­mal nicht anders, als Ambros bei die­ser obli­ga­to­ri­schen letz­ten Zuga­be den Chor der knapp 6.000 Keh­len nur noch zu diri­gie­ren brauch­te. Aber die Gefolg­schaft spar­te die Ener­gie gar nicht für den Schluss auf, ab dem Ope­ner „Ver­wahr­lost aber frei” erwies sie sich als text­af­fin und schwer begeistert.

Zurecht, denn die hei­mi­sche Insti­tu­ti­on in Sachen Lie­der­ma­cher (den Begriff Aus­tro­pop ver­neint der Jubi­lar kon­se­quent) zeig­te sich bei bes­ter Lau­ne und auch stimm­lich mehr als nur soli­de. So beseelt und har­mo­nisch „Von Lie­be ka Spur” oder „Lang­sam woch’s ma z’amm” sin­gen, hat man den 70-Jäh­ri­gen zuletzt nicht immer gehört. Eine schwe­re Ope­ra­ti­on muss­te Ambros über sich erge­hen las­sen, um wie­der schmerz­frei leben zu kön­nen – das Auf­at­men war in sei­ner Dar­bie­tung spürbar.

Es wur­de ein bun­ter Streif­zug durch die Jahr­zehn­te auf der Büh­ne. Die­se betrat der in Tirol leben­de Nie­der­ös­ter­rei­cher mit Wan­der­stö­cken unter tosen­dem Applaus, um am Bar­ho­cker sei­nen Platz ein­zu­neh­men. Der Bewe­gungs­ra­di­us sei­ner Band, die Nr. 1 vom Wie­ner­wald, pass­te sich dem ihres Chefs an. Aber es ging hier ja nicht um Show, son­dern um Lie­der. Und die sind Legen­de. Es durf­te ein bis­serl mor­bi­de sein („I drah zua”), wit­zig („Hoit, do is a Spoit”), kri­tisch („Igno­ran­ten­stadl”) oder dra­ma­tisch („Gezeich­net für’s Leben” in wun­der­ba­rer Ausführung).

Ambros kün­dig­te alte und ganz alte Songs an, „weil Neue haben wir eh kane”. Die braucht der „Wol­ferl” auch nicht, wenn er „Zwickt’s mi”, „A Mensch möcht i bleibn” und „Die Blu­me aus dem Gemein­de­bau” aus dem Talon zie­hen kann. Natür­lich: „Da Hofe”, der „Zen­tral­fried­hof”, ein samt­wei­ches „Baba & foi ned”, dazu Geden­ken an Georg Dan­zer („Jö schau”) und Kurt Ost­bahn („Feia”) – da fehl­te auch ein Bei­trag vom legen­dä­ren Album „Ambros singt Dyl­an” nicht („Wah­re Liebe”).

Die Aus­wahl war geschickt, 23 Publi­kums­fa­vo­ri­ten ohne Fehl­grif­fe. Dis­ku­tie­ren lässt sich, ob „Du bist wia de Win­ta­sun” wirk­lich in ein fet­tes Folk­rock-Arran­ge­ment ver­packt wer­den muss und so das viel­leicht bes­te Lie­bes­lied des, ähem, Aus­tro­pop der Zärt­lich­keit beraubt wird. Aber auch das hat dann doch irgend­wie gepasst. Das auf den Tickets ange­führ­te Mot­to lau­te­te: „und nach wie vor nicht lei­se” – gut so.