news/APA/Montag, 29.06.20, 21:00:02

380.590 Unter­schrif­ten für das Kli­ma-Volks­be­geh­ren

380.590 Öster­rei­cher haben das von Katha­ri­na Rogen­ho­fer initi­ier­te Kli­ma­volks­be­geh­ren unter­schrie­ben. Mit 5,96 Pro­zent lan­de­te es in der Lis­te der nun­mehr 50 Begeh­ren auf Rang 21. Auch drei wei­te­re Volks­be­geh­ren, die in der vori­gen Woche zur Unter­zeich­nung auf­la­gen, kamen über die 100.000er-Hürde für die Behand­lung im Par­la­ment, nur „Smo­ke – JA” blieb mit 33.265 Unter­schrif­ten weit dar­un­ter.
APA/HELMUT FOHRIN­GER

Das gleich­zei­tig von der „Initia­ti­ve Gemein­sam Ent­schei­den” rund um den Ex-Pira­ten­par­tei-Chef Mar­cus Hohen­ecker vor­ge­leg­te Begeh­ren „Smo­ke – NEIN” war mit 140.527 Unter­schrif­ten (Unter­stüt­zungs­er­klä­run­gen plus Ein­tra­gun­gen) wesent­lich erfolg­rei­cher, es ran­giert mit 2,20 Pro­zent auf Platz 39. Die von der IGE ange­streb­te Ent­schei­dung über das Rauch­ver­bot in der Gas­tro­no­mie ging somit zuguns­ten des Nicht­rau­chens aus. Aller­dings nüt­zen ins­ge­samt kei­ne drei Pro­zent der 6,382.377 Berech­tig­ten die­se Mög­lich­keit, ihren Wil­len kund­zu­tun. Denn „Smo­ke JA” unter­schie­ben nur 0,52 Pro­zent, und das bedeu­tet Rang 47.

Direkt hin­ter Smo­ke NEIN auf Platz 40 lan­de­te das drit­te von der IGE ange­sto­ße­ne Begeh­ren „Asyl euro­pa­ge­recht umset­zen”. Die For­de­rung, Öster­reichs EU-Bei­trags­zah­lun­gen um die über den „gerech­ten EU-Anteil” hin­aus­ge­hen­den Asyl­kos­ten zu redu­zie­ren, haben 135.087 Öster­rei­cher (2,12 Pro­zent) unter­schrie­ben. Mit 100.482 Unter­schrif­ten knapp über die Par­la­ments­hür­de – und mit 1,57 Pro­zent auf Rang 42 – schaff­te es das von Robert Mar­schall (Wir für Öster­reich) initi­ier­te Begeh­ren für den EURA­TOM-Aus­stieg Öster­reichs.

Mit gro­ßem Jubel haben mehr als 200 Kli­ma­ak­ti­vis­ten am Wie­ner Hel­den­platz am Mon­tag auf das Ergeb­nis des öster­rei­chi­schen Kli­ma­volks­be­geh­rens reagiert. Spre­che­rin Katha­ri­na Rogen­ho­fer sah in den 380.590 Unter­zeich­nern einen „his­to­ri­schen Schul­ter­schluss”. Nun sei die Poli­tik gefor­dert, „ihren Bei­trag zu leis­ten”.

„Noch nie in der Geschich­te” habe es Rogen­ho­fer zufol­ge „eine so brei­te Alli­anz zwi­schen Wis­sen­schaft, Bevöl­ke­rung, Unter­neh­men und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Orga­ni­sa­tio­nen von Kunst und Kul­tur bis Glau­ben für muti­gen Kli­ma­schutz” gege­ben, so die Spre­che­rin. „In Zei­ten von Coro­na und schwie­ri­gen Rah­men­be­din­gun­gen hat die Zivil­ge­sell­schaft einen unüber­hör­ba­ren Auf­ruf an die Poli­tik gerich­tet, beim Kli­ma­schutz end­lich zu han­deln”.

Das Kli­ma­volks­be­geh­ren habe noch ein­mal gezeigt, „dass in der Kli­ma­po­li­tik nur etwas vor­an­geht, wenn vie­le Men­schen aktiv wer­den und ein Zei­chen set­zen: Ohne den bei­spiel­lo­sen Ein­satz der Öster­rei­che­rIn­nen wäre die Kli­ma­kri­se wei­ter­hin nur Rand­the­ma”, beton­te Rogen­ho­fer.

Auch die Grü­nen sind „erfreut” über das Ergeb­nis des Kli­ma­volks­be­geh­rens. Den Auf­trag der 380.590 Unter­zeich­ner dür­fe man „nicht igno­rie­ren”, plä­dier­te Kliam­schutz­spre­cher Lukas Ham­mer für eine Behand­lung im Par­la­ment „mit aller gebüh­ren­der Ernst­haf­tig­keit”. Meh­re­re Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen sehen die Unter­stüt­zung von 5,96 Pro­zent der 6,382.377 Unter­schrift-Berech­tig­ten als Hand­lungs­auf­trag an die Poli­tik.

Das von SPÖ, Grü­nen und NEOS, ein­zel­nen ÖVP-Poli­ti­kern, Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und Umwelt­or­ga­ni­sa­tio­nen unter­stütz­te Kli­ma­volks­be­geh­ren hat­te die 100.000er-Hürde schon wäh­rend der Ein­lei­tung geschafft: 114.703 Unter­stüt­zungs­er­klä­run­gen ver­hal­fen ihm laut Aus­sendung des Innen­mi­nis­te­ri­ums zur Ein­tra­gungs­wo­che, in der es dann von wei­te­ren 265.887 Öster­rei­chern unter­schrie­ben wur­de.

Zwei ande­re Umwelt­the­men gewid­me­te Begeh­ren – Anti-Gen­tech­nik und Anti-Hain­burg – waren aller­dings (letz­te­res zumin­dest etwas) erfolg­rei­cher. Die Initia­to­ren hat­ten auch die Ver­län­ge­rung der Ein­tra­gung ver­langt – weil am Mon­tag für kur­ze Zeit (laut Innen­mi­nis­te­ri­um eine Vier­tel­stun­de) wegen tech­ni­scher Pro­ble­me die Abga­be von Unter­schrif­ten behin­dert war.

Am Fakt der Behand­lung im Par­la­ment hät­te eine län­ge­re Ein­tra­gung jedoch nichts mehr geän­dert. Und auch eine beson­ders hohe Zahl an Unter­schrif­ten garan­tiert nicht, dass For­de­run­gen eines Volks­be­geh­rens umge­setzt wer­den. Dies konn­te man beim bis­her erfolg­reichs­ten Begeh­ren sehen: 1.361.562 bzw. 25,74 Pro­zent haben 1982 die ÖVP-Initia­ti­ve gegen das – trotz­dem errich­te­te – Wie­ner Kon­fe­renz­zen­trum unter­schrie­ben.

Ein Begeh­ren zu einem Umwelt­the­ma fin­det sich gleich dahin­ter auf Platz 2, näm­lich das (von den Grü­nen initi­ier­te) Volks­be­geh­ren gegen Gen­tech­nik. Die­ses fand 1997 1,225.790 Unter­stüt­zer (21,23 Pro­zent). Etwas bes­ser als das Kli­ma­schutz-Begeh­ren schnitt 1985 ein wei­te­res Umwelt-Begeh­ren ab – näm­lich jenes „Gegen Kraft­werk Hain­burg”: 353.906 Unter­schrif­ten bedeu­te­ten damals 6,55 Pro­zent der Berech­tig­ten – und damit hat es Rang 18.

Im Ver­gleich schwach abge­schnit­ten hat die „Initia­ti­ve Gemein­sam Ent­schei­den” mit ihren bei­den „Smoke”-Begehren: Sie fan­den zusam­men (mit 173.792 bzw. 2,72 Pro­zent) nicht ein­mal ein Vier­tel so vie­le Unter­stüt­zer wie das sehr erfolg­rei­che „Don’t smoke”-Volksbegehren der Ärz­te­kam­mer und der Krebs­hil­fe. Das schaff­te es 2018 mit fast 882.000 Unter­schrif­ten bzw. 13,82 Pro­zent auf Rang 7.

Ziem­lich gleich geblie­ben ist die Zahl der Eura­tom-Geg­ner – zumin­dest jener, die Volks­be­geh­ren für den Aus­tritt zu unter­schrei­ben. Schon 2011 hat­ten 98.678 (1,56 Pro­zent) eine sol­che – damals von meh­re­ren Par­tei­en und den Land­ta­gen unter­stütz­te – Initia­ti­ve der Umwelt­grup­pe „Atom­stopp Ober­ös­ter­reich” unter­zeich­net. Aber Mar­schall war nicht nur hin­sicht­lich der Zahl (100.482) erfolg­rei­cher, son­dern auch mit der Tat­sa­che, dass sich mit sei­nem Volks­be­geh­ren das Par­la­ment beschäf­ti­gen muss.

Ein Grund für die jetzt etwas mehr Unter­schrif­ten könn­te sein, dass Volks­be­geh­ren mitt­ler­wei­le – auch in Zei­ten von Coro­na von Vor­teil – nicht nur per­sön­lich am Gemein­de­amt, son­dern auch online unter­stützt wer­den kön­nen. Ins­ge­samt haben es bis­her – inklu­si­ve der jetzt erfolg­rei­chen vier – 42 der 50 Begeh­ren über die 100.000er-Hürde geschafft.