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news/APA/Dienstag, 04.05.21, 15:18:00

23 Tote und Dut­zen­de Ver­letz­te bei U‑Bahn-Unglück in Mexiko

Mexi­ko-Stadt ist von einem schwe­ren Unglück erschüt­tert wor­den: Beim Ein­sturz einer U‑Bahn-Brü­cke star­ben am Mon­tag­abend mehr als 20 Men­schen, Dut­zen­de wei­te­re wur­den ver­letzt. Unter den min­des­tens 23 Todes­op­fern sei­en auch Kin­der, sag­te Bür­ger­meis­te­rin Clau­dia Shein­baum am Unglücks­ort. Etwa 65 Ver­letz­te sei­en ins Kran­ken­haus gebracht wor­den. Dut­zen­de Ret­tungs­kräf­te waren im Ein­satz, ihre Arbeit wur­de aller­dings durch das insta­bi­le Zug­wrack erschwert.
APA/APA/AFP/PEDRO PAR­DO

Das Unglück ereig­ne­te sich am Mon­tag­abend (22.00 Uhr Orts­zeit; 5.00 Uhr MESZ) auf der Linie 12 im Süden der mexi­ka­ni­schen Haupt­stadt in der Nähe der Sta­ti­on Oli­vos. Von mexi­ka­ni­schen Medi­en ver­öf­fent­lich­te Bil­der von Über­wa­chungs­ka­me­ras zeig­ten, dass die Brü­cke ein­stürz­te, als gera­de eine Bahn dar­über fuhr. Der U‑Bahn-Zug wur­de in zwei Tei­le zer­ris­sen und hing anschlie­ßend V‑förmig über der Straße.

Ein Augen­zeu­ge schil­der­te dem Fern­seh­sen­der Tele­vi­sa den Brü­cken­ein­sturz. Nach­dem sich die dadurch aus­ge­lös­te Staub­wol­ke gelegt habe, habe er sehen wol­len, ob er hel­fen kön­ne. „Die Stil­le war schreck­lich”, sag­te der Mann. „Zwei Men­schen klet­ter­ten aus den Trüm­mern. Die ande­ren sind immer noch verschüttet.”

Dut­zen­de Feu­er­wehr­leu­te und Ret­tungs­hel­fer sowie Such­hun­de waren am Unglücks­ort im Ein­satz. Sie ver­such­ten, Men­schen aus Schutt, Kabeln und ver­bo­ge­nem Stahl zu befrei­en. Die vie­len Ver­letz­ten wur­den in ver­schie­de­ne Kran­ken­häu­ser der mexi­ka­ni­schen Haupt­stadt gebracht. Unter dem abge­stürz­ten Zug­teil war ein Auto begra­ben, aus dem sich ein Mensch befrei­en konnte.

Am Unglücks­ort ver­sam­mel­ten sich besorg­te Men­schen, die Ange­hö­ri­ge in dem Zug­wrack ver­mu­te­ten. Poli­zis­ten ver­such­ten, die Ange­hö­ri­gen sowie Medi­en­ver­tre­ter auf Abstand zu hal­ten. Efrain Jua­rez such­te nach sei­nem Sohn. „Mei­ne Schwie­ger­toch­ter rief uns an”, sag­te er. „Sie war mit ihm unter­wegs und hat uns erzählt, dass die Kon­struk­ti­on über ihm einstürzte.”

Jose Mar­ti­nez hat­te hin­ge­gen gro­ßes Glück, wie er Repor­tern erzähl­te. Weil er zu spät von der Arbeit los gekom­men sei, habe er die Unglücks-Bahn ver­passt. „Ich wur­de durch etwa 15 Minu­ten geret­tet”, sag­te er.

Die 1969 in Betrieb gegan­ge­ne U‑Bahn in Mexi­ko-Stadt hat zwölf Lini­en und beför­dert täg­lich rund 4,5 Mil­lio­nen Men­schen. Die Linie 12, auf der sich das Unglück ereig­ne­te, war erst am 30. Okto­ber 2012 vom dama­li­gen Bür­ger­meis­ter und heu­ti­gen mexi­ka­ni­schen Außen­mi­nis­ter Mar­ce­lo Ebrard ein­ge­weiht worden.

Ebrard bot auf Twit­ter sei­ne Zusam­men­ar­beit bei der Unter­su­chung der Ursa­chen des Unglücks an, das er als „schreck­li­che Tra­gö­die” bezeich­ne­te. Bür­ger­meis­te­rin Shein­baum kün­dig­te an, der bau­li­che Zustand der Linie 12 wer­de über­prüft. Vor­erst wer­de der Betrieb auf der Stre­cke ein­ge­stellt. „Wir wer­den die gan­ze Wahr­heit berich­ten”, schrieb Shein­baum auf Twitter.

Anrai­ner Ricar­do de la Tor­re sag­te, er sei schon vor dem Unglück über den Zustand der Brü­cke besorgt gewe­sen. Die umlie­gen­den Gebäu­de hät­ten immer gewa­ckelt, wenn U‑Bahnen dort hin­über gefah­ren sei­en. Am Unglücks­ort mach­ten eini­ge Men­schen Ebrard für das Unglück ver­ant­wort­lich. „Er soll her­kom­men, er soll her­kom­men und sehen, was er uns hin­ter­las­sen hat”, rief eine Frau in Fernsehkameras.

Im Jän­ner hat­te es bei einem Brand in einem Kon­troll­zen­trum der Haupt­stadt-U-Bahn ein Todes­op­fer gege­ben. 29 wei­te­re erlit­ten Rauch­ver­gif­tun­gen. Im März 2020 war bei der Kol­li­si­on zwei­er U‑Bahnen in Mexi­ko-Stadt eben­falls ein Mensch ums Leben gekom­men. 41 wei­te­re wur­den ver­letzt, als Pas­sa­gie­re in Panik durch dich­ten Rauch liefen.