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news/APA/Donnerstag, 25.11.21, 15:02:25

2022 soll es deut­lich mehr Sai­son­ar­beits­kräf­te geben

Kom­men­des Jahr soll es im Tou­ris­mus deut­lich mehr Sai­son­ar­beits­kräf­te geben, wenn es nach Arbeits­mi­nis­ter Mar­tin Kocher (ÖVP) geht. Er hat am Don­ners­tag vor­ge­schla­gen, das Kon­tin­gent für Sai­so­niers im Tou­ris­mus um 60 Pro­zent auf rund 2.000 zu erhö­hen. Die­se Quo­te soll in Spit­zen­zei­ten noch um die Hälf­te über­zo­gen wer­den kön­nen, sodass in der Hoch­sai­son bis zu 3.000 Sai­son­ar­bei­ter die Bran­che ver­stär­ken sol­len. Dazu kom­men noch bis zu 1.000 „Stamm­sai­so­niers”.
APA/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRIN­GER

„Ziel ist es, vor allem im Tou­ris­mus, in dem die Nach­fra­ge nach qua­li­fi­zier­ten Arbeits­kräf­ten sehr hoch sein wird, dem Per­so­nal­man­gel ent­ge­gen­zu­wir­ken”, schreibt Kocher in einer Aus­sendung am Don­ners­tag. Allei­ne der Bre­x­it mache eine Erhö­hung des Kon­tin­gents für den Win­ter­tou­ris­mus nötig, denn „gar nicht so weni­ge bri­ti­sche Staats­bür­ge­rin­nen und ‑bür­ger kom­men in der Win­ter­sai­son nach Öster­reich, um hier als Ski­leh­re­rin­nen und Ski­leh­rer zu arbei­ten und benö­ti­gen nun­mehr eine Beschäftigungsbewilligung”.

An der Gesamt­be­schäf­ti­gung hät­ten die von außer­halb der EU stam­men­den Sai­son­ar­bei­ter einen sehr gerin­gen Anteil, außer­dem hät­ten in Öster­reich arbeits­los gemel­de­te Per­so­nen Vor­rang bei der Ver­mitt­lung eines Jobs, ver­si­chert Kocher. Auch habe man berück­sich­tigt, dass in den kom­men­den Wochen im Lock­down die Nach­fra­ge nach Sai­so­niers gerin­ger sein wer­de. Letzt­lich hän­ge die Aus­nut­zung des Kon­tin­gents vom Sai­son­ver­lauf ab – im Coro­na­win­ter 2020 sei­en nur 15 Pro­zent des Kon­tin­gents genutzt worden.

2020 wie 2021 hat­te es im Jah­res­schnitt ein Kon­tin­gent von 1.263 Sai­son­ar­bei­te­rin­nen oder Arbei­tern für den Tou­ris­mus gege­ben, das in der Spit­zen­zeit um bis zu 20 Pro­zent hät­te über­zo­gen wer­den dür­fen (also maxi­mal 1.515 Per­so­nen). Die neue Rege­lung sieht nun im Jah­res­schnitt im Tou­ris­mus 1.989 Sai­so­niers vor, mit der Über­zie­hung von 50 Pro­zent wäre für Spit­zen­zei­ten 3.000, also fast eine Ver­dop­pe­lung, mög­lich, noch ohne Stamm­sai­so­niers zu berücksichtigen.

Außer­dem hält der Ent­wurf fest, dass Aus­län­der oder Aus­län­de­rin­nen, die seit drei Mona­ten zum Asyl­ver­fah­ren zuge­las­sen sind oder in den vor­an­ge­gan­ge­nen fünf Jah­ren zumin­dest ein­mal im Rah­men von bestimm­ten Kon­tin­gen­ten erlaubt beschäf­tigt waren, bei der Ertei­lung der Beschäf­ti­gungs­be­wil­li­gun­gen zu bevor­zu­gen sind.

Aus Sicht der Arbei­ter­kam­mer sind nicht nur die Zah­len für Sai­so­niers zu hoch, die AK kri­ti­siert das Kon­zept der Sai­son­ar­bei­ter grund­sätz­lich. „Sinn­vol­ler als eine Auf­sto­ckung des Kon­tin­gents für Sai­son­ar­bei­te­rIn­nen wäre es auf die ohne­hin ver­füg­ba­ren Arbeits­kräf­te in Öster­reich zurück­zu­grei­fen”, so AK-Exper­te Johann Peyrl. Das gel­te ins­be­son­de­re für Asyl­wer­ber, für deren Inte­gra­ti­on Sai­son­ar­beit posi­ti­ve Aus­wir­kun­gen hät­te, wäh­rend Sai­son­ar­beit „ein fal­sches Migra­ti­ons­mo­dell” sei, da es kei­ner­lei Inte­gra­ti­ons­schrit­te gebe. Sai­son­ar­bei­ter wür­den auch oft schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen akzep­tie­ren müs­sen, um in der nächs­ten Sai­son wie­der eine Arbeits­be­wil­li­gung zu bekom­men, sagt Peyrl.

„Minis­ter Kocher ver­höhnt mit sei­nen Plä­nen jene Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die in Öster­reich auf Arbeits­su­che sind. Er hat noch immer nicht erkannt, dass end­lich die Arbeits­be­din­gun­gen zu ver­bes­sern sind, anstatt Arbeits­kräf­te aus dem Aus­land zu holen, die für wenig Geld bereit sind, alles zu tun”, kri­ti­siert auch Berend Tusch, Vor­sit­zen­der des Fach­be­reichs Tou­ris­mus der Gewerk­schaft vida, den Vor­schlag Kochers. Öster­reich­weit sei­en 36.000 Men­schen dem Tou­ris­mus zuge­ord­net und auf Arbeits­su­che, daher brau­che es kei­ne zusätz­li­chen Arbeits­kräf­te aus dem Ausland.

Kri­tik gibt es an den Kon­tin­gen­ten auch von der Tou­ris­mus-Spar­te in der WKÖ – aller­dings aus umge­kehr­tem Grund. Trotz der deut­li­chen Aus­wei­tung der Kon­tin­gen­te sei­en die­se zu nied­rig, schreibt Robert See­ber, Obmann der WKÖ-Bun­des­s­par­te Tou­ris­mus und Frei­zeit­wirt­schaft, in einer Aus­sendung. Denn es fehl­ten in der Bran­che „min­des­tens 10.000 bis 15.000 Arbeits­kräf­te”. Nicht nur sei­en vie­le poten­zi­el­le Arbeits­kräf­te in ande­re Bran­chen abge­wan­dert, auch wür­den rund 1.000 bri­ti­sche Arbeits­kräf­te nun wegen des Bre­x­it als Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge gel­ten und damit das Kon­tin­gent belasten.