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news/APA/Mittwoch, 21.07.21, 15:35:14

17-jäh­ri­ge Schwan­ge­re tot in Gra­zer Woh­nung aufgefunden

Eine 17-jäh­ri­ge Schwan­ge­re ist Diens­tag­abend tot in einer Woh­nung im Gra­zer Bezirk Gei­dorf gefun­den wor­den. Wie die Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on Stei­er­mark mit­teil­te, wur­de ein 19-jäh­ri­ger Ver­däch­ti­ger fest­ge­nom­men. Er bestrei­tet mit dem Able­ben der Jugend­li­chen etwas zu tun zu haben. Der jun­ge Mann gab aber zu, in der Woh­nung gewe­sen zu sein und dass es auch einen Streit gab. Der Ver­däch­ti­ge befin­det sich in Haft. Die jun­ge Frau hat­te offen­sicht­li­che Verletzungen.
APA/APA/MARIO BÜHNER/MARIO BÜHNER

Gegen 19.00 Uhr war die Poli­zei von Ange­hö­ri­gen der 17-Jäh­ri­gen ange­ru­fen wor­den, weil die Öster­rei­che­rin den gan­zen Tag nicht bei der Arbeit erschie­nen und auch sonst nicht mehr erreich­bar war. Als die Feu­er­wehr über ein Fens­ter in ihre Woh­nung im zwei­ten Stock eines Mehr­par­tei­en­hau­ses ein­stieg – sie war erst vor weni­gen Wochen dort ein­ge­zo­gen – und die Beam­ten nach­schau­ten, fand man sie leb­los am Bett lie­gend. „Auf­grund der vor­ge­fun­de­nen Situa­ti­on und der nach der Auf­fin­dung statt­ge­fun­de­nen Lei­chen­be­schau erga­ben sich Hin­wei­se auf ein Fremd­ver­schul­den”, hieß es in der Aus­sendung der Polizei.

Auf Nach­fra­ge wur­de erklärt, dass die Frau Ver­let­zun­gen auf­wies, die sie sich selbst nicht zuge­fügt haben kann. Kol­por­tiert wur­den Stich- und Schnitt­ver­let­zun­gen am Hals, das müs­se aber erst die Obduk­ti­on bele­gen, sag­te die Poli­zei. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt hat die Ermitt­lun­gen wegen Mord­ver­dachts übernommen.

Die ers­ten Nach­for­schun­gen erga­ben, dass der 19-jäh­ri­ge Bekann­te und mut­maß­li­che Vater des unge­bo­re­nen Kin­des mit der Tat im Zusam­men­hang ste­hen könn­te. Der Öster­rei­cher, er ist nicht ein­schlä­gig vor­be­straft, wur­de von der Poli­zei noch am Diens­tag­abend in sei­ner Woh­nung zur Rede gestellt. Er gab zu, dass er Mon­tag­abend bei der 17-Jäh­ri­gen in der Woh­nung war und dass es dort zu einem Streit mit ihr gekom­men war. Er bestrei­tet aller­dings jeden Zusam­men­hang mit dem Tod der Schwangeren.

Der Ver­däch­ti­ge wur­de über Anord­nung der Staats­an­walt­schaft fest­ge­nom­men. Eine Spu­ren­si­che­rung in der Woh­nung der Frau wur­de durch­ge­führt. Die Aus­wer­tung ist aber noch nicht abge­schlos­sen. Sei­tens der Stadt Graz hieß es, dass die jun­ge Frau bis Juli 2018 in Graz gemel­det, aber bis dahin kei­ne beglei­ten­de Betreu­ung beim Jugend­amt vor­ge­merkt war. Ihre Fami­lie habe aller­dings über einen län­ge­ren Zeit­raum einen Kos­ten­zu­schuss für prä­ven­ti­ve The­ra­pien bezo­gen. Zuletzt hat­te die 17-Jäh­ri­ge ihren Wohn­sitz in Graz-Umge­bung gemel­det. Nach ihrem Umzug nach Graz vor vier bis fünf Wochen hat­te sie offen­bar ihren Haupt­wohn­sitz noch nicht umgemeldet.

Innen­mi­nis­ter Karl Neham­mer (ÖVP) ver­wies in einer Pres­se­kon­fe­renz auf die lau­fen­den Ermitt­lun­gen. Was man der­zeit schon sagen kön­ne ist, dass sich die Tat „spon­tan ent­wi­ckelt” habe. Es habe jeden­falls kein Betre­tungs­ver­bot oder Ähn­li­ches im pri­va­ten Umfeld des Opfers gege­ben. Aber­mals beton­te Neham­mer, dass es gera­de bei häus­li­cher Gewalt uner­läss­lich sei, die Poli­zei zu rufen. Außer­dem ver­wies er auf das von der Regie­rung geschnür­te Maß­nah­men­pa­ket gegen Gewalt gegen Frauen.

„Scho­ckiert” zeig­te sich SPÖ-Frau­en­vor­sit­zen­de Eva-Maria Holz­leit­ner in einer Reak­ti­on auf die Tat. „War­um hört die Regie­rung den Hil­fe­ruf der Frau­en­or­ga­ni­sa­tio­nen und der Gewalt­schutz­ein­rich­tun­gen nicht?”, frag­te die Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te. Die SPÖ-Frau­en for­dern einen sofor­ti­gen Kri­sen­stab. Öster­reich habe ein mas­si­ves Pro­blem mit Män­ner­ge­walt, beton­te NEOS-Frau­en­spre­che­rin Hen­ri­ke Brand­s­töt­ter: Jede fünf­te Frau im Land sei von Gewalt betrof­fen und „nir­gend­wo in Euro­pa pas­sie­ren so vie­le Frau­en­mor­de wie bei uns”. Die ein­zi­ge Reak­ti­on sei­tens der Regie­rung wür­den „lee­re Lip­pen­be­kennt­nis­se und insze­nier­te Gip­fel­tref­fen” blei­ben. Brand­s­töt­ter ver­wies auf das von den NEOS im Natio­nal­rat ein­ge­brach­te Gewalt­schutz- und Gleichstellungspaket.

In einer Auf­zäh­lung der Auto­no­men Öster­rei­chi­schen Frau­en­häu­ser (die sich mit einer Zäh­lung der APA deckt) sind exklu­si­ve des jüngs­ten Falls 16 Frau­en in die­sem Jahr durch den (Ex-)Partner oder männ­li­chen Per­so­nen mit Nahe­ver­hält­nis­sen zu den Opfern getö­tet wor­den. Dar­in inklu­diert sind ein Mord/Selbstmord, bei dem ein Abschieds­brief einen gemein­sa­men Ent­schluss nahe­legt, ein wei­te­rer Mord und Sui­zid eines betag­ten Ehe­paars, ein Todes­fall, bei dem der Ver­däch­ti­ge ent­haf­tet wur­de, weil ein Ver­bre­chen vor­erst nicht ein­deu­tig nach­ge­wie­sen wur­de, sowie der Tod eines 13-Jäh­ri­gen Mäd­chens in Wien nach Ver­ab­rei­chung von Dro­gen und Vergewaltigung.

(S E R V I C E – Frau­en, die Gewalt erle­ben, fin­den kos­ten­los und rund um die Uhr Hil­fe und Infor­ma­tio­nen bei der Frau­en­hel­pli­ne unter: 0800/222555, ; beim Ver­ein Auto­no­me Öster­rei­chi­sche Frau­en­häu­ser unter und der Wie­ner Inter­ven­ti­ons­stel­le gegen Gewalt in der Fami­lie: . Betrof­fe­ne von Gewalt­ta­ten und Ver­bre­chen kön­nen sich an die Opfer­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Wei­ßer Ring wen­den unter der Tel.: 0800/112–112, ; droht aku­te Gewalt, rufen Sie sofort den Poli­zei­not­ruf unter 133 oder 112. Gehör­lo­se und Hör­be­hin­der­te kön­nen per SMS an 0800/133 133 Hil­fe rufen.)